Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Pazopanib: Neues Medikament für US-Patienten mit Nierenkrebs

15.12.2009 – Mit Pazopanib steht, zunächst nur in den USA, ein weiterer antiangiogener Wirkstoff zur Behandlung des Nierenzellkarzinoms in fortgeschrittenem Stadium zur Verfügung.

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat den Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI), das der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline unter dem Namen Votrient auf den Markt bringt, nach anfänglichen Bedenken zugelassen. Votrient zielt besonders auf den Wachstumsfaktor VEGF, der bei der Neubildung von Blutgefäßen eine zentrale Funktion hat. Durch die Hemmung dieser Funktion und damit durch die Drosselung der Blutzufuhr soll dem Tumor die Energieversorgung gekappt werden. Ob und wann der Angiogenese-Hemmer in Deutschland eine Zulassung erhält, steht noch nicht fest. PD Dr. Christian Doehn, Leitender Oberarzt in der Urologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Lübeck, rechnet in den nächsten Monaten mit einer Entscheidung seitens der europäischen Zulassungsbehörde (EMEA).

"Pazopanib konnte in einer randomisierten Phase-III-Studie seine Überlegenheit gegenüber Plazebo bei 435 Patienten mit einem metastasierten Nierenzellkarzinom zeigen. Der primäre Endpunkt der Studie - progressionsfreies Überleben – wurde erreicht“, so Doehn.  In die Zulassungsstudie für diesen TKI wurden sowohl Patienten ohne medikamentöse Vortherapie als auch Patienten mit medikamentöser Vortherapie mit Zytokinen eingeschlossen. In der Gruppe der zuvor noch nicht behandelten Patienten wurde ein Fortschreiten der Erkrankung im Median erst nach elf Monaten festgestellt, in der Placebogruppe bereits nach 2,8 Monaten. Eine Endauswertung des Gesamtüberlebens liegt allerdings noch nicht vor.
Gegenüber dem Urologenportal sagte PD Dr. Christian Doehn zur Bedeutung des neuen Medikaments: "Pazopanib erweitert das therapeutische Spektrum beim fortgeschrittenen  Nierenzellkarzinom. Für eine Beurteilung seines genauen Stellenwertes in Bezug zu derzeit zwei anderen zugelassenen TKI (Sunitinib, Sorafenib), zwei ebenfalls zugelassenen mTOR-Inhibitoren (Temsirolimus, Everolimus) und einem zugelassenen VEGF-Antikörper (Bevacizumab) ist es allerdings noch zu früh." Gegenwärtig laufen nach Angaben von GlyxoSmithKline weitere klinische Studien, in denen Pazopanib als Monotherapie sowie in Kombination, unter anderem mit zytotoxischen Chemotherapeutika, untersucht wird.
   
Pazobanib wird Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom einmal täglich in einer Dosierung von 800 mg verabreicht. Beobachtete Nebenwirkungen betreffen Diarrhoe, Hypertonus, Änderung der Haarfarbe, Appetitlosigkeit, Übelkeit sowie Erbrechen. Im Fokus anfänglicher Bedenken der FDA gegen eine Zulassung standen mutmaßliche schwere Leberschädigungen durch das Präparat, die ein zehnköpfiger Expertenausschuss der US-Behörde nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung aber einstimmig als akzeptabel ansah.
Weltweit sterben jährlich mehr als 100.000 Patienten am Nierenzellkarzinom, der häufigsten Art eines bösartigen Nierentumors. Die Zahl neu diagnostizierter Fälle steigt. Nach Schätzungen erkranken allein in Deutschland rund 6400 Frauen und etwa 10.300 Männer jährlich neu an Nierenkrebs. (ing)


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