Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Neue Richtlinie der Bundesärztekammer - Qualitätskontrolle für Spermienuntersuchungen: Das müssen Sie wissen!

26.01.2011 – Die Bundesärztekammer hat ihre aktuelle Richtlinie zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen um einen für die Urologie relevanten Teil erweitert: Der Richtlinienteil B („Spezielle Teile“) wurde am 19. November 2010 um den Punkt „Ejakulatuntersuchungen“ ergänzt. Der Richtlinienteil B 4 ergänzt die im allgemeinen Teil A beschriebenen grundlegenden Anforderungen, die für alle laboratoriumsmedizinischen Untersuchungen bereits seit dem 1. April 2008 gültig sind. Der neue Richtlinienteil B 4 ist bereits am 1. Januar 2011 in Kraft getreten, lässt aber für die Erfüllung aller Anforderungen eine Übergangsfrist bis Ende 2012.

In diesem Teil B4 „Ejakulatuntersuchungen“ wird ein Basisprogramm für die regelmäßige Qualitätssicherung im andrologischen Labor vorgegeben, das auf den Empfehlungen der jeweils aktuellen Auflage des WHO-Labormanuals für die Ejakulatdiagnostik beruht. Das Manual liegt aktuell in der 5. Auflage vor und wurde 2010 aktualisiert (WHO 2010).

Die neuen Vorschriften legen Mindestanforderungen für die Sicherung der Qualität der Ergebnisse von Ejakulatuntersuchungen fest. Jede Ejakulatuntersuchung unterliegt einer internen und einer externen Qualitätskontrolle. Für die interne Qualitätssicherung gilt dabei: Alle Untersuchungen der Spermatozoen hinsichtlich ihrer Konzentration, Motilität und Morphologie sind in Doppelbestimmung durchzuführen und zu dokumentieren. Dies entspricht dem gültigen WHO Standard. Für die Errechnung und Bewertung der Resultate der Doppelbestimmungen sind in der Richtlinie klare mathematische Vorgaben festgeschrieben, die auf den Vorgaben der WHO basieren. Sofern die Ejakulatuntersuchungen über mehrere Arbeitsplätze verteilt sind, muss die interne Qualitätssicherung an allen beteiligten Arbeitsplätzen durchgeführt werden.

Die übrigen Parameter der Ejakulatdiagnostik (wie z.B. Volumen, Rundzellen, Leukozyten, Antikörper, biochemische Marker) werden in der Qualitätskontrolle nicht erfasst.

Externe Qualitätssicherung durch Ringversuche

Als Instrument der externen Qualitätssicherung ist die Teilnahme an Ringversuchen für die Untersuchung der Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie von Spermien vorgeschrieben – ein Ringversuch pro Halbjahr ist vorgesehen. Dies liegt unter der Frequenz sonstiger labormedizinischer Analysen, die ganz überwiegend mindestens 4 Ringversuche pro Jahr vorgeben. Nach erfolgreicher Teilnahme an einem Ringversuch erhält das betreffende Laboratorium ein Zertifikat, das für zwölf Monate gültig ist. Bislang gab es seit 2002 die Möglichkeit, bereits auf freiwilliger Basis 2 externe Ringversuche pro Jahr über das Qualitätskontrollprogramm der Deutschen Gesellschaft für Andrologie (QuaDeGA GmbH) durchzuführen. An dieser freiwilligen Qualitätskontrolle haben bislang rund 200 Praxen, Kliniken und Labore teilgenommen (QuaDeGA.de). Bis Ende dieses Jahres will die Bundesärztekammer mindestens eine Referenzinstitution bestellen, der die praktische Durchführung und Auswertung der angebotenen Ringversuche obliegt. Die Deutsche Gesellschaft für Andrologie wird sich voraussichtlich mit der QuaDeGA GmbH um diese Ringversuchsdurchführung bewerben. In einem neuen Richtlinienteil E 4 sind die speziellen Anforderungen an Ringversuche für Ejakulatuntersuchungen festgeschrieben.

Beteiligung der Fachgesellschaften

Bis Ende des Jahres soll bei der Bundesärztekammer zudem eine neue Fachgruppe „Qualitätssicherung von Ejakulatuntersuchungen“ eingerichtet werden. Neben der Beratung der Kammer sollen ihre zwölf Mitglieder besonders Vorschläge zur Fortschreibung des neuen Richtlinienteils sammeln, bewerten und erarbeiten. Zu dieser Fachgruppe gehören u.a. auch die Vertreter der wissenschaftlichen Fachgesellschaften, wie die Deutsche Gesellschaft für Urologie, die Deutsche Gesellschaft für Andrologie, die Deutsche Gesellschaft für Reproduktionsmedizin sowie die gynäkologischen Fachgesellschaften. Diese Fachgruppen waren neben Vertretern der Klinischen Chemie, der BÄK und zahlreicher anderer am Prozess zu beteiligender Organisationen auch bei der Erarbeitung der jetzt vorliegenden Richtlinie beteiligt. Für die Deutsche Gesellschaft für Urologie hat Frau Prof. Dr. med. Sabine Kliesch, Fachärztin für Urologie und Andrologie, Schriftführerin des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft für Urologie, diesen Prozess aktiv begleitet und die Interessen der Urologen bei der Ausarbeitung der Richtlinie vertreten.

Zusätzliche Hinweise

Die "Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen" (vom 23. November 2007) steht im Internet als PDF-Datei zum Download bereit: http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/Rili-BAeK-Labor.pdf

Die Ergänzung der genannten Richtlinie um den Komplex Ejakulatuntersuchungen (vom 19. November 2010) ist im Wortlaut zu finden unter: www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&p=Ejakulat&id=80168

Das aktuelle WHO Manual ist auf der Website der WHO (http://www.who.int/) unter
http://whqlibdoc.who.int/publications/2010/9789241547789_eng.pdf
in englischer Sprache herunterzuladen. Die deutsche Übersetzung wird derzeit vom WHO Kollaborationszentrum in Münster erarbeitet und wird voraussichtlich ab Juli 2011 erhältlich sein.


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