Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Studie warnt vor dramatischem Fachkräftemangel in Kliniken und Praxen

25.11.2010 – Im deutschen Gesundheitswesen droht der Pflegekollaps: Zwischen 2020 und 2030 wird sich der Personalmangel in dieser personalintensiven Branche massiv verschärfen. Eine Studie prognostiziert für das Jahr 2030 fast eine Million fehlender Fachkräfte in Kliniken und Praxen.

Die Zahl fehlender Mediziner und nichtärztlicher Fachkräfte wird sich von knapp 200.000 im Jahr 2020 auf gut 950.000 im Jahr 2030 steigern. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Fachkräftemangel im Gesundheitswesen", für die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) und das Darmstädter Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR mehr als 20 Millionen Datensätze zu Arbeitsmarkt, Altersstruktur und Ausbildungsentwicklung ärztlicher und nichtärztlicher Fachkräfte analysiert haben.

Der demografische Wandel wirkt sich doppelt negativ aus: Durch die Alterung der Gesellschaft werden zunehmend Gesundheitsleistungen nachgefragt. Gleichzeitig gehen in den kommenden Jahren immer mehr Fachkräfte in den Ruhestand, ohne dass ausreichend Nachwuchs zur Verfügung steht, so PwC-Gesundheitsexperte Harald Schmidt.

Im Jahr 2030 werden nach der PwC-Studie 787.000 nichtärztliche Fachkräfte im ambulanten Bereich (340.000) und im stationären Bereich (447.000) fehlen. Darunter fallen fast 480.000 Krankenschwestern, Krankenpfleger und Pflegehilfskräfte, aber auch 200.000 Sprechstundenhilfen sowie mehr als 100.000 weitere Fachkräfte von der Hebamme bis zum Medizinallaboranten. Die Zahl der fehlenden Ärzte in Praxen und Kliniken wird sich laut Studie von heute „nur“ rund 17.000 schon in zehn Jahren auf 56.000 und im Jahr 2030 sogar auf 165.000 erhöhen. Zu den Fachärzten, die im stationären Bereich laut Studie besonders fehlen werden, zählen die Urologen. Dem drohenden Nachwuchsmangel in ihrem Fachgebiet tritt die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) schon länger mit verschiedenen Initiativen entgegen.

Die Auswirkungen des sich anbahnenden Pflegenotstands werden nach Ansicht der Studienautoren nicht nur zu einer katastrophalen Versorgungssituation für Patienten führen. Sie werden auch eine massive Überlastung der Beschäftigten in Kliniken und Praxen nach sich ziehen, um gegenwärtige Standards im Gesundheitswesen zu halten.

Ambulante und stationäre Gesundheitseinrichtungen werden laut Studie künftig um zunehmend weniger Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren. Daraus wird abgeleitet, dass sich diese parallele Versorgungsstruktur auf Dauer nicht halten lassen werde, sofern es hier zu keiner engeren Verzahnung komme. Als Ersatz für Kliniken und Praxen wird außerhalb der Ballungsgebiete der Ausbau Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) empfohlen. Andernfalls werde 2030 etwa jede zweite Praxis und jede dritte Arztstelle in Kliniken unbesetzt bleiben. Die Grundversorgung auf dem Land sollten Landärzte übernehmen, die dafür finanziell speziell gefördert werden müssten.

Um den zunehmenden Personalmangel zu kompensieren, halten die Studienautoren es für unverzichtbar, bereits jetzt verstärkt Pflegekräfte aus dem Ausland anzuwerben. Dafür reiche es jedoch nicht aus, nur gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen müssten ebenfalls deutlich attraktiver werden, um im internationalen Wettbewerb um Pflegekräfte mithalten zu können.

Außerdem wird in der Studie angeregt, die vorhandenen Strukturen effizienter zu nutzen sowie Arbeitsorganisation und -abläufe zu optimieren, auch um gesundheitsbedingte Fehlzeiten und Frühverrentungen der Gesundheits-Beschäftigten möglichst zu vermeiden. (ing)

Die 80-Seiten-Studie findet sich hier im Internet als PDF-Datei.


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