Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Für Ihren OP-Breich: Standardisierte Zählkontrolle des „Aktionsbündnis für Patientensicherheit“

22.11.2010 – Immer wieder werden von den Medien spektakuläre Fälle aufgegriffen, in denen Patienten oft lange nach Operationen unter unerklärlichen Beschwerden leiden. Manchmal dauert es Jahre, bis schließlich ein bei der OP vergessener Fremdkörper als Ursache ausgemacht wird. Bereits 2008 haben die medizinischen Fachgesellschaften und Berufsverbände, die sich im „Aktionsbündnis für Patientensicherheit“ (APS) zusammengeschlossen haben, auf diese Problematik reagiert: Das APS, dem auch die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) angehört, richtete eine spezielle Arbeitsgruppe ein, die Empfehlungen erarbeitete, wie unbeabsichtigt belassene Fremdkörper im OP-Gebiet zuverlässiger vermieden werden könnten. Unter dem Titel „Jeder Tupfer zählt!“ wurden die Ergebnisse, insbesondere Verfahrensweisen für standardisierte Zählkontrollen veröffentlicht.

Studien über die Häufigkeit, mit der Tupfer, Bauchtücher, Kompressen, Klemmen, Nadeln, Spatel, Schrauben, abgebrochene Bohrerspitzen und andere Fremdkörper unbeabsichtigt im Patienten belassen werden, liegen für Deutschland bislang nicht vor. Ausgehend von einigen internationalen Untersuchungen schätzen die Experten der Arbeitsgruppe, dass es sich in Deutschland jährlich um bis zu 3000 Fälle handeln könnte. Eingriffe an den Körperhöhlen (Verdauungstrakt, Lunge und Bronchus, Herz, Harnwege, weibliche Geschlechtsorgane, geburtshilfliche Operationen) bergen dabei naturgemäß ein höheres Risiko. Die Folgen vergessener Fremdkörper seien vor allem Entzündungen oder Perforationen, die lebensbedrohlich sein könnten.

Die Arbeitsgruppe empfiehlt grundsätzlich alle Zählkontrollen nach dem Vier-Augen-Prinzip und nach einheitlichen Vorgaben vor, während und nach der Operation durchzuführen. Zu den einheitlichen Vorgaben sollte Klarheit gehören, wer für die Zählung verantwortlich ist, wer sie durchführt, was und wann gezählt werden soll und wie die Ergebnisse von wem dokumentiert werden sollen. Besonders wichtig ist auch die Festlegung der Abläufe nach Diskrepanzen bei Zählkontrollen. Außerdem regt das Aktionsbündnis dringend an, das Thema der unbeabsichtigt im OP-Gebiet belassenen Fremdkörper verbindlich in die Aus-, Weiter- und Fortbildungscurricula aller Gesundheitsberufe aufzunehmen. (ing)

Auf der Internetseite www.aktionsbuendnis-patientensicherheit.de können unter dem Menüpunkt “Veröffentlichungen und Downloads” Handlungsempfehlungen, ein Flyer, ein Poster sowie ein detailliertes Glossar zum Thema „Jeder Tupfer zählt!“ als  PDF-Dateien heruntergeladen werden.


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