Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

DGU begrüßt Forderung des GKV-Spitzenverbands nach mehr klinischen Studien

14.03.2011 – Während der medizinische Fortschritt immer weiter und schneller voranschreitet, stößt dessen Finanzierbarkeit inzwischen an Grenzen. Mit der Kosten-Nutzen-Bewertung ist deshalb seit 2007 ein Instrument im Sozialgesetzbuch V verankert, das den Nutzen einer medizinischen Maßnahme in Bezug zu den Ressourcen setzt, die die Versichertengemeinschaft dafür aufwenden muss.

Danach kann der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beauftragen, den Zusatznutzen einzelner neuer beziehungsweise relevanter Arzneimittel oder anderweitiger Therapien zu bewerten. Dessen Ergebnisse haben zwar keine unmittelbaren Auswirkungen, dienen dem G-BA aber als Empfehlung bei der Festlegung des Leistungskatalogs in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Die Einführung medizinischer Innovationen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung vollzieht sich allerdings zuvor faktisch durch die Krankenhäuser. Dabei sieht der Gesetzgeber begleitende klinische Studien nicht verpflichtend vor. Für Klinik-Therapien gilt der sogenannte Verbotsvorbehalt, wonach medizinische Methoden solange erlaubt sind, bis sie auf Antrag des Gemeinsamen Bundesausschusses geprüft und gegebenenfalls von der Erstattung ausgeschlossen werden. Nur die nachträgliche Prüfung kann Nutzen und Patientensicherheit belegen, die eine Finanzierung durch die Solidargemeinschaft rechtfertigen.

Vor diesem Hintergrund fordert der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung medizinische Innovationen zunächst ausschließlich in besonderen Innovationszentren im Rahmen vergleichender klinischer Studien einzusetzen. Diesen Standpunkt vertrat dessen Vorstandsvorsitzende, Doris Pfeiffer, unter anderem in einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 9. Februar 2011. 

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) begrüßt den Vorstoß der Vorstandsvorsitzenden des GKV-Spitzenverbandes, den Nutzen medizinischer Innovationen durch klinische Studien überprüfen zu lassen. Innovation sei kein Wert an sich, so die DGU-Präsidiumsmitglieder Prof. Dr. Joachim Steffens und Prof. Dr. Michael Stöckle, sondern es müsse in der Tat ein nachgewiesener Vorteil für die Patienten belegt sein, um eine Belastung der Solidargemeinschaft mit den entsprechenden Kosten rechtfertigen zu können. Zwar sei dafür Sorge zu tragen, dass durch Studienerfordernisse keine künstlichen Hürden aufgebaut werden, die letztlich nur dem Zweck der Kosteneinsparung dienen. Es sei aber durchaus wünschenswert, in zu definierenden Bereichen klinische Studien zum Anwendungsnutzen vorzuschreiben. Wegen der nicht unerheblichen Erstellungskosten liege die „Studienhoheit“ bisher faktisch bei der pharmazeutischen und medizintechnischen Industrie. Dadurch sei eine gewisse Schieflage entstanden, da deren Fokus nachvollziehbarerweise eher auf Studien in den Bereichen läge, die einen wirtschaftlichen Erfolg versprächen. Wäre es zukünftig möglich, klinische Studien aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung mitzufinanzieren, so würde das mittel- und langfristig der Optimierung der Krankenversorgung dienen. Bei der Studienkonzeption sollten sowohl die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin als auch die klinische Kompetenz der betreffenden Fachgesellschaften Berücksichtigung finden.


Pressestelle

Informationen zu den Meldungen:

Pressestelle
Bettina-Cathrin Wahlers
Sabine Martina Glimm
Tel: 040 - 79 14 05 60
Fax: 040 - 79 14 00 27
Mobil: 0170 - 48 27 28 7
E-Mail: redaktion@bettina-wahlers.de