Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Neues Immunsuppressivum für Nierenempfänger

05.12.2011 – Geeignete Spenderorgane sind in Deutschland sehr knapp. Umso wichtiger ist es, die Funktion bereits transplantierter Organe möglichst lange gut zu erhalten. Seit kurzer Zeit gibt es ein neues Immunsuppressivum für die Behandlung nach Nierentransplantationen mit dem Wirkstoff Belatacept, das akuten Abstoßungsreaktionen des Körpers gegen das neue Organ vorbeugen soll.

Im Vergleich zur Standardtherapie bietet Studien zufolge Betalacept dabei möglicherweise Vorteile. Zudem ist es weniger nierentoxisch als andere nach Transplantation eingesetzte Immunsuppressiva.

Belatacept ist ein lösliches Fusionsprotein, das auf T-Zellen des Immunsystems selektiv als Kostimulationsblocker wirkt und deren Aktivierung verhindert. Aktivierte T-Zellen sind Transmitter der Immunantwort gegen ein transplantiertes Organ. An der Medizinischen Universität Wien, die an der klinischen Entwicklung des Wirkstoffes maßgeblich beteiligt war, wird davon ausgegangen, dass Belatacept mit seinem neuen Wirkmechanismus die Funktionsdauer transplantierter Nieren nach konservativer Schätzung um mehr als 40 Prozent gegenüber herkömmlichen Präparaten verlängern kann.

Von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) ist Belatacept in Kombination mit Corticosteroiden und Mycophenolsäure zugelassen worden, um bei Erwachsenen Nierenabstoßungen im Anschluss an eine Transplantation zu verhindern. Vorausgegangen waren zwei Phase-III-Studien mit mehr als 1200 Nierentransplantations-Patienten, um Wirksamkeit und Verträglichkeit des neuen Wirkstoffes zu prüfen. Generell verbesserte das neue Medikament das Überleben von Patienten und Organ, auch wenn es in der ersten Studie häufiger als bei Ciclosporin zu Organabstoßungen kam. Von den Patienten mit funktionierender Niere überlebten unter Belatacept 97 Prozent, verglichen mit 93 Prozent unter Ciclosporin. Bei 54 Prozent der Patienten wurde unter Belatacept eine beeinträchtigte Nierenfunktion gegenüber 78 Prozent unter Ciclosporin festgestellt. 

Die Liste der möglichen Nebenwirkungen von Belatacept ist auch lang, wenngleich das Präparat eine positive Wirkung auf kardiovaskuläre und metabolische Risikofaktoren hat. Bei Patienten, die noch keinen Kontakt mit dem Epstein-Barr-Virus hatten, ist Belatacept wegen eines erhöhten Risikos für ein Posttransplantations-Lymphom (PTLD) kontraindiziert. Das nach Transplantationen grundsätzlich erhöhte allgemeine Krebsrisiko soll bei dem neuen Wirkstoff ebenso hoch wie bei Ciclosporin und anderen Calcineurininhibitoren sein. (ing)


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