Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Befragung in urologischen Praxen: Wie wird die Früherkennung zum Männerthema?

16.02.2012 - Krebsfrüherkennung zählt nicht zu den Domänen der Männerwelt. Im Gegenteil: Während zwei Drittel aller Frauen in Deutschland regelmäßig zur Krebsvorsorge gehen, hat jeder zweite Mann zwischen 45 und 65 Jahren diesen Schritt noch nie getan - nicht einmal einen ärztlichen Check-up durchführen lassen. Und dies, obwohl allgemein bekannt ist, dass Heilungschancen meistens umso größer sind, je früher Erkrankungen entdeckt werden. Das gilt besonders auch beim Prostatakarzinom und allen anderen urologischen Tumorerkrankungen. Den Beweggründen von Männern, eine Früherkennungsuntersuchung in Anspruch zu nehmen, wurde mit einer repräsentativen Patientenbefragung nachgegangen. Präsentiert wurden die Ergebnisse jetzt in der Fachzeitschrift „Der Urologe“ (Ausgabe 12/2011), dem Organ der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU).

Die Autoren der Studie - PD Dr. Michael J. Mathers, Dr. Uwe Nadig, Dr. Rüdiger Reichel und Prof. Dr. Stephan Roth - stellten eine insgesamt hohe Korrelation zwischen dem Bildungsniveau der Befragten und ihrem Interesse an sowie ihren Kenntnissen über Vorsorgeangebote fest. Je höher die Bildung, desto größer die Präventionsbereitschaft. Als Informationsquellen zur Vorsorge gaben 54 Prozent der Befragten einen Arzt an, 23 Prozent Medien wie Fernsehen (35 Prozent), Zeitschriften (23 Prozent) und Internet (20 Prozent, 13 Prozent ihre Krankenkasse und elf Prozent das persönliche Umfeld sowie Sonstiges. „Mit guter Vorabinformation ist der Weg in die Praxis schon halb geschafft“, so die Einschätzung der Autoren.

Die insgesamt 212 Männer, die an der Untersuchung teilnahmen, wurden auch direkt nach dem Beweggrund für die Terminvereinbarung beim Urologen zur Vorsorgeuntersuchung befragt. Die häufigsten Antworten: 55 Prozent nannten das eigene Gesundheitsbewusstsein und 36 Prozent waren Hausarzt geschickt worden. Im Mittel jünger waren die Befragten, die hier angaben, durch Rat aus dem persönlichen Umfeld oder durch eine Erkrankung im Familien- und Bekanntenkreis motiviert worden zu sein.

Den Wunsch vieler Patienten, vorab zu erfahren, was bei der Vorsorgeuntersuchung genau auf sie zukommt, und anschließend eine kurze schriftliche Zusammenfassung des Ergebnisse zu erhalten, ordnet sich für die Autoren nahtlos in das Bild des mündigen und wohlwollend kritischen Verbrauchers ein - mit deutlicher Korrelation zum Bildungsstand. Überraschend hoch war die Kenntnis der Befragten zu Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) und die Bereitschaft für diese zu bezahlen.

Patienten, die Vorsorgeleistungen in Anspruch nehmen, sind laut Befragung häufig „Wiederholungstäter“. Wenn das Vertrauensverhältnis zum Arzt stimmt, kommen sie auch in den Folgejahren zur Vorsorge. Wie aber kann die andere Hälfte der Männer in Deutschland erreicht werden, die den Gang zum Arzt bisher ¬scheut? Ein Patentrezept für diese Hauptaufgabe kann die Studie zwar nicht liefern. Sie deutet nach Ansicht der Autoren aber den Weg an: Durch sachliche und konkrete Aufklärung müssten Hemmungen abgebaut werden. Viele Männer fürchteten spe¬ziell die Untersuchung der Prostata als unangenehm oder peinlich.

Der Befragung zufolge kommt bei der Aufklärung dem Hausarzt eine grundlegende Aufgabe zu, da er für die meis¬ten Männer der erste Ansprechpartner in Ge-sundheitsfragen ist. Er habe die beste Möglichkeit, die Bedeutung der Vorsorge zu vermitteln, also nicht erst zu reagieren, wenn eine ernste Erkrankung die  Leistungsfähigkeit einschränkt. Aber auch Fachärzte und die Öffentlichkeitsarbeiter der Krankenkassen müssten hier weiter intensiv am Abbau von Defiziten arbeiten.


Pressestelle

Informationen zu den Meldungen:

Pressestelle
Bettina-Cathrin Wahlers
Sabine Martina Glimm
Tel: 040 - 79 14 05 60
Fax: 040 - 79 14 00 27
Mobil: 0170 - 48 27 28 7
E-Mail: redaktion@bettina-wahlers.de