Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Urologin macht sich für geburtsverletzte Frauen in Äthiopien stark

14.08.2012. Seit es die Entbindung durch den Kaiserschnitt gibt, kommen Geburtsfisteln in entwickelten Ländern praktisch nicht mehr vor. Dort gehören Blasen-Scheiden-Fisteln, die in der Regel Inkontinenz nach sich ziehen, weitgehend der medizinischen Vergangenheit an. Ganz anders stellt sich dies in weiten Teilen Afrikas und Asiens dar, wo jedes Jahr bis zu 100.000 Frauen schwerste innere Verletzungen bei der Geburt eines Kindes erleiden: Allein in Äthiopien kommen alljährlich mehr als 9000 neue Fälle hinzu.

In Deutschland leistet der Verein „Fistula - Hilfe für geburtsverletzte Frauen in Äthiopien“ seit 2003 seinen Beitrag, hier Abhilfe zu schaffen. „Dafür fördern und unterstützen wir besonders das Addis Abeba Fistula Hospital“, sagt die Stuttgarter Urologin Dr. Barbara Teltschik als Zweite Vorsitzende des Vereins.

Das Risiko für Geburtsfisteln wird in Äthiopien gleich durch mehrere Faktoren erhöht: So gebären dort 92 Prozent der Frauen ohne jede professionelle Unterstützung und bleiben auch bei Komplikationen völlig auf sich allein gestellt. Hinzu kommt, dass Mädchen dort häufig in sehr jungen Jahren, in denen sie selbst körperlich noch wachsen, erstmals gebären. Durch andauernde Mangelernährung sind aber auch bei Erwachsenen die körperlichen Voraussetzungen für komplikationsfreie Geburten oft nicht optimal: Das Größenverhältnis zwischen Becken und Babykopf harmoniert nicht. Durch tagelange Wehen und den ständigen Druck des Babykopfes auf Geburtskanal und Becken wird die Durchblutung gestört, Gewebe stirbt ab und Fisteln können entstehen.

„Totgeburten und fürchterliche Verletzungen der Mütter sind häufige Folgen“, so Dr. Teltschik. Und: „Geburtsfisteln machen aus dem gynäkologischen auch ein urologisches Problem. Die Fisteln verursachen Inkontinenz. Unkontrolliert tröpfelt stetig Urin, der durch den unangenehmen Geruch letztlich zu Stigmatisierung und Isolation der Frauen selbst im Familienverband führt. Aber auch mit Urinbeutel können die Frauen nicht mehr nach Hause, weil sie nicht länger als unversehrt gelten.“ Dabei lassen Geburtsfisteln sich operativ mit überschaubarem Aufwand sehr erfolgreich behandeln.

Das Chirurgenteam des Fistula Hospitals in Addis Abeba gehört bei Geburtsfisteln heute zu den besten weltweit. 1974 war das Hospital von dem australischen Gynäkologen-Ehepaar Reginald und Catherine Hamlin gegründet worden. Seither wurden dort mehr als 40.000 Patientinnen kostenlos operiert. Heute gehören zum Hospital fünf regionale Außenzentren sowie eine Rehabilitations- und Berufsbildungseinrichtung. Jährlich werden über 1000 „Healthworker“ ausgebildet, die in den Dörfern Akuthilfe leisten, dort aber auch präventiv tätig sind. Für Patientinnen, die nicht zu ihren Familien zurückkehren können, wurde „Desta Mender“, übersetzt das „Dorf der Freude“, gegründet, in dem sie leben und lernen, aber auch für den eigenen Lebensunterhalts arbeiten können. 2007 wurde zudem eine Hebammenschule eröffnet. Für dieses grandiose Lebenswerk gab es 2009 den alternativen Nobelpreis. 

Der Fistula-Verein unterstützt das Hospital, das sich und seine Einrichtungen nur durch Spenden finanziert, mit medizinischem Gerät und mit Know-how, aber auch durch Lobbyarbeit und besonders durch das Sammeln von Geld, wie Urologin Dr. Teltschik sagt, die auch auf Kongressen ihrer Fachdisziplin immer wieder Mitstreiter und gelegentlich erfahrene urologische Operateurinnen und Operateure sucht.

Allen Frauen und Mädchen mit geburtsbedingten Verletzungen müsse medizinisch geholfen und für ihre Reintegration in die Gesellschaft gekämpft werden. Wichtigstes Ziel zur Vorbeugung von Geburtsfisteln sei die Etablierung einer professionellen Geburtshilfe. Jede werdende Mutter müsse Zugang zu einer Hebamme haben. (hei)

Mehr Informationen zum Thema finden Sie im Internet unter www.fistula.de


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