Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Nierentransplantationen in Europa langfristig deutlich erfolgreicher als in den USA

12.11.2012. Nach einer Nierentransplantation funktionieren Spenderorgane in Europa deutlich länger als in den USA. Das haben Wissenschaftler der Universität Heidelberg durch einen großen systematischen Vergleich von Transplantations-Ergebnissen diesseits und jenseits des Atlantiks erstmals aufgezeigt.

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Während die Funktionsraten nach einem Jahr mit rund 90 Prozent noch übereinstimmen, klaffen sie nach fünf und zehn Jahren immer weiter zu Ungunsten von US-Patienten auseinander. Nach Angaben der Wissenschaftler lassen sich die Ursachen dieser Diskrepanz aus ihrer statistischen Untersuchung nicht endgültig feststellen. Vieles deute jedoch darauf hin, dass die in den USA drei Jahre nach der Transplantation endende Kostenerstattung für Medikamente gegen Organabstoßung ein möglicher Faktor sei. 

Insgesamt wurden rund 23.500 Nierentransplantationen in Europa für die Auswertung herangezogen, in den USA waren es etwa 32.000. Es stellte sich heraus, dass in Europa 77 Prozent der gespendeten Nieren nach fünf Jahren weiter funktionierten, in den USA dagegen unter weißen Amerikanern nur noch 71 Prozent. Zehn Jahre nach Transplantationen liegt die Funktionsrate in Europa im Schnitt bei 56 Prozent, unter weißen Amerikanern dagegen nur bei 46 Prozent. Die niedrigeren Langzeitüberlebensraten im Vergleich zu Europa betreffen auch spanischstämmige US-Amerikaner, bei denen nach zehn Jahren 48 Prozent der transplantierten Nieren noch funktionieren, und insbesondere Afroamerikaner mit nur 33 Prozent. Besonders große Unterschiede beim Funktionsverlust des Nierentransplantats zeigte die Studie für Kinder und junge Erwachsenen.

Ein Grund für die schlechteren Ergebnisse in den USA könnte nach Einschätzung der Heidelberger Wissenschaftler sein, dass Medikamente gegen die Transplantat-Abstoßung in den USA nur für drei Jahre von der staatlichen Krankenversicherung Medicare erstattet werden, während in Europa die lebenslange Kostenübernahme durch die Krankenkassen gesichert ist. In den USA müssen transplantierte Patienten nach drei Jahren oft selbst die dafür notwendigen Kosten von durchschnittlich rund 20.000 Dollar pro Jahr aufbringen. Im Februar 2012 hatten bereits kanadische Nierenexperten im „New England Journal of Medicine“ eindringlich aus ethischen und auch ökonomischen Gesichtspunkten vor dieser US-Praxis gewarnt. Die Rückkehr an die Dialyse schränke die Lebenserwartung der Patienten ein und koste mit rund 75.000 Dollar pro Jahr mehr als drei Mal so viel wie die Behandlung mit Immunsuppressiva.

 

Für die Auswertung griffen die Wissenschaftler für Europa auf Daten aus der weltweit größten Studie zu Transplantations-Ergebnissen zurück, der seit 30 Jahren laufenden „Collaborative Transplant Study CTS“ in Heidelberg. In Deutschland und den meisten Ländern Europas gibt es, anders als in den USA, keine nationalen Register, in denen alle Daten zu Transplantationen öffentlich zugänglich sind. Die Arbeit der Heidelberger Wissenschaftler ist im Journal „Transplantation“ online veröffentlicht: http://journals.lww.com/transplantjournal/Abstract/publishahead/Kidney_Graft_Survival_in_Europe_and_the_United.98853.aspx
(ing)

 


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