Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom: Erweiterte Zulassung für Androgen-Blocker Abirateron vor Chemotherapie

29.01.2013. Im Oktober 2011 hatte der Testosteron-Blocker Abirateron zur Behandlung von Männern mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) die Zulassung erhalten, allerdings nur für solche Fälle, in denen während oder nach einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie das Tumorwachstum fortschreitend ist. Abirateronacetat, das zusammen mit Prednison oder Prednisolon eingenommen wird, trägt nachweislich zum längeren progressionsfreien Überleben der Patienten bei.

Nach den positiven Ergebnissen einer Phase-III-Studie zu Abirateron ohne chemotherapeutische Vorbehandlung der mCRPC-Patienten (COU-AA-302), die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden (www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1209096), hat die Europäische Kommission (EC) der Zulassungserweiterung zugestimmt und folgt damit den Empfehlungen des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur. Mit dieser zentralen Zulassung ist die Anwendung von Abirateronacetat nun auch in Deutschland ohne vorherige Docetaxel-Therapie möglich.

Der Wirkstoff Abirateron ist ein selektiv irreversibler Inhibitor des Enzyms Cytochrom P-17, das in der intrazellulären Produktion des Androgens Testosteron zentrale Bedeutung hat. Da das männliche Geschlechtshormon ein wesentlicher Wachstumsfaktor auch von Tumoren ist, gehört die medikamentöse, heute nur noch selten auch chirurgische Kastration zur Standardtherapie des metastasierten Prostatakarzinoms. Dadurch kann die Erkrankung oft über Jahre stabilisiert werden. Bei Kastrationsresistenz dieses Karzinoms ist eine Chemotherapie mit Docetaxel bislang der Königsweg. Erst wenn deren zytostatische Wirkung versagte, konnte seit Oktober 2011 Abirateron zur Anwendung kommen.

Da selbst geringste Androgenmengen, die in der Nebennierenrinde oder den Tumorzellen selbst gebildet werden, ein neuerliches Tumorwachstum auslösen können, kommt Abirateron zum Einsatz. Der zur Gruppe der Steroide gehörende Wirkstoff blockiert die Androgensynthese im gesamten Körper und schaltet damit auch eine mögliche Restsynthese von Testosteron aus.


Die COU-AA-302-Studie schloss 1088 Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom aus zwölf Ländern ein, die noch keine Chemotherapie erhalten hatten. Die Patienten im Verum-Arm erhielten Abirateronacetat (1000 mg) plus Prednison (2 mal täglich 5 mg), die Kontrollgruppe Placebo plus Prednison. In einer Zwischenauswertung berichtete das Team um Charles Ryan vom Helen Diller Family Comprehensive Cancer Center in San Francisco von einer Verlängerung des progressionsfreien Überlebens von 8,3 auf 16,5 Monate. Das Gesamtüberleben verlängerte sich laut der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) von 30,1 auf 35,3 Monate - das längste Gesamtüberleben, das je in einer Phase-III-Studie mit mCRPC-Patienten erzielt wurde. Zugleich zögerte Abirateron den Beginn einer Chemotherapie von 16,8 auf 25,2 Monate hinaus, ebenso auch den nötigen Einsatz von Opiaten aufgrund tumorbedingter Schmerzen.

Bekannte Nebenwirkungen und Komplikationen sind Flüssigkeitsretentionen/Ödeme, Hypokaliämien und arterielle Hypertonie. Bei Leberfunktionsstörungen und Herzinsuffizienz ist Abirateron kontraindiziert.


Pressestelle

Informationen zu den Meldungen:

Pressestelle
Bettina-Cathrin Wahlers
Sabine Martina Glimm
Tel: 040 - 79 14 05 60
Fax: 040 - 79 14 00 27
Mobil: 0170 - 48 27 28 7
E-Mail: redaktion@bettina-wahlers.de