Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Untersuchung benennt Tipps gegen Burn-out im Arztberuf

21.11.2012. Nach jüngeren Studien entwickelt jeder fünfte Arzt ein Burn-out-Syndrom. Welche Faktoren Urologinnen und Urologen besonders belasten, beleuchtete 2011 eine Online-Umfrage des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e. V. (BDU) – nachzulesen in „Der Urologe“, Heft 2/2012.

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Nun legten Psychologen der Universität Heidelberg in einer Untersuchung den Focus auf die Resilienz im Arztberuf. Was lässt Stress von manchen Ärzten abprallen, während er andere Kollegen krank macht? Was macht Ärzte widerstandsfähig gegen die berufliche Belastung, welches sind die häufigsten Stressfaktoren und mit welchen Strategien schützen sich die Befragten dagegen.

Für das von der Bundesärztekammer unterstützte Projekt „Resilienz im Arztberuf“ wurden 200 Ärzte verschiedener Fachrichtungen und Hierarchieebenen mit durchschnittlich 15 Jahren Berufserfahrung in qualitativen Interviews vom Team um Dr. Julika Zwack von der Sektion Medizinische Organisationspsychologie am Uni-Klinikum Heidelberg befragt. 60 Prozent der Befragten waren Angestellte, 40 Prozent Selbstständige.

Am häufigsten wurden Bürokratie und Verwaltungsaufwand als Belastungsfaktoren genannt. In 56,5 Prozent der Interviews wurden sie als Hauptstressoren ausgemacht. Es folgten Freizeitmangel und lange Arbeitszeiten (41,9 Prozent) sowie besonders bei Niedergelassenen der Faktor „Fließbandmedizin“ (32,3 Prozent), also jeden Tag zu wenig Zeit für zu viele Patienten. Mit jeweils etwa 20 Prozent lagen Stress durch hierarchischen Druck, Ärger mit zu fordernden Patienten und schlechte Honorierung sowie Angst vor Behandlungsfehlern etwa gleichauf. 

Unter den Bewältigungsstrategien hat die Arzt-Patienten-Beziehung hohe Bedeutung, nicht nur im Sinne einer offenen Kommunikation, die nichts tabuisiert und auch die äußeren Zusammenhänge eines Krankheitsgeschehens einbezieht, sondern laut Befragung auch bezüglich Abgrenzung und Selbstschutz. Realitäten zu akzeptieren und zu erkennen, wo der eigene Einflussbereich endet sowie die eigene Begrenzung im ärztlichen Tun anzuerkennen, wurden als weitere Schutzfaktoren häufiger genannt. Die elementare Erfahrung der medizinischen Wirksamkeit, also die Gewissheit, Symptome und Leiden gelindert zu haben, ist ebenfalls wichtig und wird laut Befragung durch Pflege der eigenen Professionalität etwa in Fortbildungen gestärkt.

Resiliente Ärzte zeichnen sich nach Einschätzung von Dr. Zwack vor allem durch selbstbestimmte Entscheidungen im Umgang mit den Belastungen ihres Berufsalltags aus. Voraussetzung dafür seien offenbar gut gepflegte familiäre, freundschaftliche und soziale Beziehungen sowie außerberufliche Interessen. 80 Prozent der Befragten gaben an, regelmäßig sportlichen oder kulturellen Ausgleichsaktivitäten nachzugehen.

Auch der offene Umgang mit Wissenslücken, Fehlern oder Defiziten ist nach Einschätzung der Befragten stressmindernd. Um Belastungsfaktoren wie etwa der Angst vor Behandlungsfehlern zu begegnen, können auch externe Hilfsmittel nützlich sein. So hat etwa der BDU e.V., unterstützt von der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., inzwischen das internetbasierte Fehlermanagementsystem CIRS-Urologie eingeführt. Das Critical Incident Reporting-System (www.cirs-urologie.de) stellt durch Anonymisierung niemanden an den Pranger, sondern zielt darauf, sicherheitsrelevante Ereignisse zu erkennen, zu analysieren und daraus Vermeidungsstrategien zu entwickeln, aus denen alle Kolleginnen und Kollegen lernen können. Die Nutzung dieses Systems kann dazu beitragen, einen bedeutsamen ärztlichen Stressfaktor zu reduzieren.

Die Ergebnisse der Befragung und praktische Tipps zur Vermeidung eines Burn-outs werden in einen Ratgeber mit dem Titel „Wie Ärzte gesund bleiben - Resilienz statt Burn-out" einfließen. Das Buch soll noch in diesem Jahr erscheinen. (ing)


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