Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Chefärztinnen in urologischen Kliniken deutlich unterrepräsentiert

08.04.2013. In Deutschland sind fast zwei Drittel der Medizinstudierenden Frauen. Auch ihr zahlenmäßiger Anteil an der Gesamtärzteschaft nimmt entsprechend kontinuierlich zu, nicht jedoch die Anzahl von Frauen in medizinischen Führungspositionen. Der Anteil leitender Ärztinnen in deutschen Krankenhäusern bewegt sich seit einigen Jahren um knapp zehn Prozent.

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In den dortigen urologischen Abteilungen lag er nach jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes für 2011 mit nicht einmal zwei Prozent noch deutlich niedriger. „Solange nicht adäquate Arbeitsbedingungen die Vereinbarkeit von Familie und Karriere verbessern, werden sich viele Kolleginnen weiterhin zwangsläufig für Familie samt Kinderwunsch und gegen die Karriere entscheiden. Leitungsfunktionen in Teilzeit zu organisieren, scheint hierzulande, anders als etwa in skandinavischen Ländern, kaum denkbar“, sagt Prof. Dr. Sabine Kliesch, die Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU).

Das spiegelt sich auch in einer Untersuchung der Karriereverläufe von Ärztinnen und Ärzten in der fachärztlichen Weiterbildung wider. Für die 2012 veröffentlichte „KarMed“-Studie waren Männer und Frauen zu ihren Vorstellungen über Berufstätigkeit und Arbeitszeit nach dem Ende ihres Medizinstudiums befragt worden. Für die Autoren weisen die Ergebnisse auf „die weitgehende Persistenz traditioneller Vorstellungen zu Beginn der fachärztlichen Weiterbildung bezüglich Beruf und Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern hin". „KarMed“-Projektleiter Prof. Dr. Hendrik van den Bussche, langjähriger Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: „Wir stellen immer wieder fest, das Ärztinnen – insbesondere mit Kindern – kaum eine Chance haben, an die Spitze zu gelangen. Wir haben zudem beobachtet, dass sie ihre Ansprüche auf jeder Stufe der Karriereleiter im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen eher einschränken."

Um den Frauenanteil in medizinischen Führungspositionen zu erhöhen, fordert der Deutsche Ärztinnenbund e.V. die Einführung fester Frauenquoten im Gesundheitswesen. Die von Bundesfamilienministerin Christina Schröder propagierte sogenannte Flexi-Quote, nach der Unternehmen einen verbindlichen Frauenanteil im Führungspersonal in freiwilliger Selbstverpflichtung festlegen, sei hier nicht hilfreich. Dazu die DGU-Pressesprecherin: „Wenn wir es für die Zukunft nicht schaffen, für Führungsaufgaben qualifizierte Ärztinnen auch in Führungspositionen zu beschäftigen, verschenken wir ein enormes fachliches Potenzial. Das kann sich keine medizinische Disziplin angesichts des bestehenden Nachwuchsmangels leisten – auch wir Urologen nicht. Eine Quotenregelung wird nur erfolgreich sein, wenn sie von berufsbegleitenden Maßnahmen flankiert wird.“

Unter den 2066 hauptamtlichen Ärztinnen und Ärzten, die nach Angaben des Statistischen Bundesamtes („Gesundheit - Grunddaten der Krankenhäuser“) in den urologischen Abteilungen der allgemeinen Krankenhäuser 2011 in Deutschland beschäftigt waren, betrug der Frauenanteil insgesamt 15,5 Prozent, unter den 384 leitenden Ärzten wies die Statistik jedoch nur sieben Chefärztinnen (1,85 Prozent) aus. Unter den 917 Oberärzten lag der Frauenanteil bei 12,6 und bei den Assistenzärzten bei 26 Prozent. Lediglich 13 Urologinnen in Deutschland tragen einen Professorentitel, von denen nur eine auf einen der insgesamt 36 Urologie-Lehrstühle berufen ist.

Nach Ansicht von DGU-Pressesprecherin Prof. Dr. Kliesch müssen nicht nur die Träger der Kliniken dafür sorgen, familien- und frauenfreundliche Strukturen im Berufsalltag zu etablieren, sondern ebenso müssten Ärztekammern Konzepte entwickeln, die Ärztinnen den Aufstieg in leitende Positionen besser ermöglichten. Ansätze dafür könnten eine Flexibilisierung der Weiterbildungsordnung sowie eine Überarbeitung der Mutterschaftsregelungen bieten. Die DGU mahnt schon länger, veränderte Berufsbilder und veränderte Lebensentwürfe von Ärztinnen und Ärzten stärker zu berücksichtigen.

Text: DGU/BDU-Pressestelle


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