Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 26. Mai 2017

Prostatakarzinom: Neuer Gentest soll Früherkennung ergänzen

Britische Studie deckt Zusammenhang zwischen familiärer Häufung des Karzinoms und Gendefekt auf – Untersuchungsergebnisse noch unzureichend   27.04.2014. Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Jedes Jahr erkranken rund 68 000 daran, 12 000 sterben. Das mittlere Erkrankungsalter für das Prostatakarzinom liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. bei etwa 69 Jahren.

Dennoch empfehlen Mediziner, bereits ab 40 Jahren regelmäßig an Untersuchungen zur Früherkennung teilzunehmen, besonders dann, wenn Prostatakrebs beim Vater, Onkel oder Großvater in frühen Lebensjahren aufgetreten sein sollte. Gehörten bisher zur Früherkennung nur das Abtasten der Prostata durch den Enddarm und (als sinnvolle Selbstzahlerleistung) die Ermittlung des PSA-Wertes (prostataspezifisches Antigen) im Blut eines Mannes, könnte in wenigen Jahren ein neuer Gentest Hinweise darauf liefern, ob im Falle familiärer Häufung des Karzinoms genetische Mutationen vorliegen, die das Krebsleiden auslösen können. Das zumindest ist das Ergebnis einer Studie des Institute of Cancer Research in London.

Die britische Forschungsgruppe um Zsofia Kote-Jarai hat bei insgesamt 191 Patienten mit familiärem Prostatakarzinom 22 bekannte Tumorsuppressorgene untersucht.  Unter diesen Genen waren auch BRCA 1 und 2, die als Brustkrebsgene bekannt geworden sind. Bei 13 Patienten fanden die Wissenschaftler Mutationen, die zum Ausfall des DNA-Reparatursystems führten. Somit hatte laut Studie rund jeder 14 . Patient eine Loss-Of-Function-Mutation in einem von vier DNA-Reparaturgenen, eine Genmutation, die die Entwicklung des Tumors nicht nur begünstigt haben könnte, sondern auch einen ungünstigen Verlauf der Erkrankung anzeigte: Die Genträger hatten höhere PSA-Werte, und die Tumore wurden als aggressiver eingestuft. Das Fazit der Forscher: Ein Gentest auf die gefundenen Mutationen könnte wichtige Hinweise für die Therapieplanung liefern und bereits in drei Jahren auf dem Markt sein.

Das klingt erst einmal vielversprechend. Doch ganz so eindeutig sind das Ergebnis der Studie und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen nicht zu werten, wie Prof. Dr. Michael Stöckle, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie, Universitätsklinikum des Saarlandes, anmerkt: „Bisher gibt es außer dem HOXB13 Gen kein verlässliches klassisches PCa spezifisches Suszeptibilitätsgen (Gene, die eine erblich erhöhte Erkrankungswahrscheindlichkeit besitzen). Von den DNA-Reparaturgenen, die in der Arbeit beschrieben sind, war bisher auch nur zu BRCA2 ein geringer Zusammenhang mit dem Prostatakrebs bekannt.“ Doch er sagt auch: „Neu ist an der Studie die Prädisposition für besonders aggressive Karzinome. Damit könnten sich die beschriebenen DNA-Reparaturgene möglicherweise von anderen, noch nicht bekannten Suszeptibilitätsgenen klinisch abheben.“

Grundsätzlich hält Prof. Stöckle einen Gentest, wie ihn die britischen Forscher anvisieren, für wünschenswert und er könnte auch durchaus Anwendung finden, allerdings nicht bei der breiten Masse der noch Gesunden. „Nur in der Zielgruppe mit positiver Familienanamnese könnte der Nachweis spezifischer Mutationen entscheidend sein, wer eine engmaschige Vorsorge braucht und wer nicht. PSA und die Vorsorgen werden also nicht abgelöst, sondern nur gezielter eingesetzt“, betont er.

Gesetzt den Fall, solch ein Gentest kommt in die Praxis, bleibt die Frage, welche Konsequenzen sich aus einem „positiven Test“, wenn also eine Mutation in einem Gen des Panels nachgewiesen wurde, ableiten würden. „Kein Humangenetiker wird zur prophylaktischen Entfernung der Prostata raten“, betont Dr. Volker Jung, Biologe im Labor für Molekular- und Zellbiologie der Klinik für Urologie und Kinderurologie, Universitätsklinikum des Saarlandes. Er gibt zu bedenken, dass die Erkrankungswahrscheinlichkeit beim Vorliegen einer Mutation, besonders die der DNA-Reparaturgene, nicht sonderlich hoch ist. Man würde also viele Männer umsonst operieren. Selbst wenn die Erkrankung bereits diagnostiziert wäre, könnte das rechtzeitige Erkennen des Tumors durch eine engmaschige Kontrolle reichen, um den Krebs erfolgreich zu behandeln. Fragen dieser Art werden zur Zeit in der IMPACT-Studie geklärt. Das Ziel dieser international durchgeführten Studie ist die Untersuchung von Früherkennungsmethoden für das Prostatakarzinom bei Männern, die ein Gen geerbt haben, von dem vermutet wird, dass es ihr Risiko erhöht, diese Krankheit zu entwickeln. Infos dazu gibt es unter www.impact-study.co.uk.

Text: DGU/BDU-Pressestelle


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