Autor: Pressestelle DGU/BDU|Veröffentlicht am 19. Dezember 2006|Aktualisiert am 21. Mai 2018

Britische Apotheken dürfen Viagra bald rezeptfrei verkaufen

19.01.2018. In Großbritannien wird das Potenzmittel Viagra in einer Variante mit 50 Milligramm Sildenafil als Wirkstoff von einem verschreibungspflichtigen zu einem apothekenpflichtigen Medikament umklassifiziert. Das hat die britischen Zulassungsbehörde MHRA (Medicines and Healthcare products Regulatory Agency) nach umfangreichen Prüfungen und öffentlichen Anhörungen beschlossen. Damit können volljährige Männer mit Erektionsstörungen dieses Präparat voraussichtlich ab Frühjahr frei in der Apotheke kaufen. Bedingung dafür ist lediglich eine fachliche Beratung in der Apotheke.

Die MHRA erwartet von ihrer Entscheidung, Männer vom unkontrollierten Kauf oft gefälschter und gefährlicher Schwarzmarktprodukte übers Internet zu bewahren und möglichst viele zu erreichen, die mit ihrem Problem niemals Hilfe im Gesundheitssystem gesucht hätten. Prof. Dr. Sabine Kliesch, Vorsitzende des Arbeitskreises Andrologie der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) und der DGU-PatientenAkademie, sieht die Entscheidung dennoch kritisch: „Ich halte es für sehr problematisch, insbesondere Risikopatienten der Beratung durch Apotheker zu überlassen. Bereits die Situation vor Ort verhindert durch die Anwesenheit anderer Kunden und von Apothekenpersonal aus meiner Sicht ein vertrauliches Gespräch, in dem der Patient offen über seine Potenzstörungen spricht.“

Die neue Regelung im Vereinigten Königreich sieht vor, dass der Apotheker nicht nur über erektile Dysfunktion, Einnahme und mögliche Nebenwirkungen des Präparats informiert, sondern dass er auch klärt, ob das Medikament für den Patienten geeignet ist oder ob zunächst eine Konsultation des Hausarztes angeraten wäre. An Männer mit Herz-Kreislauf-Problemen, mit Leber- oder schweren Nierenschäden darf Viagra laut MHRA nicht frei verkauft werden. Gleiches gilt für Männer, die andere Arzneimittel einnehmen, zu denen Risiken für Wechselwirkungen bestehen. Sie alle dürfen das Potenzmittel weiterhin nur nach Verordnung durch einen Arzt erhalten.

Dennoch hält Prof. Kliesch den MHRA-Beschluss für problematisch. „Es geht um Patienten mit einer Störung, hinter der sich andere ernste Erkrankungen verbergen können und die deshalb möglichst immer ärztlich abgeklärt werden sollte. Zusammenhänge von Erektionsstörungen mit koronarer Herzkrankheit, Diabetes, Hypertonie oder Adipositas sind bekannt. In der Apotheke kann jedoch keine adäquate Diagnostik geleistet werden“, so die Chefärztin des Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie am Universitätsklinikum Münster.

Bislang ist Polen das einzige europäische Land, in dem Sildenafil rezeptfrei in der Apotheke verkauft wird. Dort muss ein Blatt mit 25 Fragen zu Vorerkrankungen und zur Einnahme anderer Medikamente ausgefüllt werden, um ein Viagra-Generikum mit 25 Milligramm Wirkstoff zu erhalten.

Text: Pressestelle

 

 


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