Der EBM 2008: Inhalte, Hintergründe, Analysen (28.04.2008)

Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 13. Februar 2012|Aktualisiert am 06. April 2017

Der EBM 2008, die Honorarreform und die Konsequenzen für die Urologen; Inhalte, Hintergründe und Analysen

Autoren: Dr. med. Wolfgang Rulf, Ausschuss für ambulante Operationen
Dr. med. Christian Tschuschke, BDU Landesvorsitzender Westfalen-Lippe

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Zusammenfassung

Die Änderungen im EBM 2008 sind - bis auf die Bewertungen - für Urologen wenig spektakulär, die Honorarreform umso mehr. Der entscheidende Faktor zur Kalkulation der zukünftigen Gesamtvergütung mit befreienden Wirkung (Budgets) ist die Definition des notwendigen Behandlungsbedarfes über die in Punkten ausgedrückte Morbidität. Das Interesse der Kassen ist es diese Morbidität weitgehend runterzurechnen. Das angedrohten Kündigen von Förderverträgen, z.B der Onkologie-Vereinbarung, zeigt die Konsequenz der Kassen und die Hilflosigkeit der KBV/KV. Das Interesse der Vertragsärzte im Allgemeinen und der Urologen im Speziellen muss es sein, die Morbidität möglichst vollständig abgebildet zu sehen. Dies den „Partnern“ der Selbstverwaltung zu überlassen, ist sowohl unter Betrachtung der organisatorischen und zeitlichen Möglichkeiten als auch unter Berücksichtigung der handelnden Personen mit dem hohen Risiko verbunden, dass gerade kleine Fachgruppen die Zeche für eine politisch gewollte Umverteilung zum Vorteil der Hausärzte unter dem Deckmantel der zugeteilten Morbidität zahlen werden. Ärzte und KV-Vorstände sitzen bei unterschiedlicher Interessenslage nicht in einem Boot. Abhilfe durch eine machtvolle/streitbare Gemeinschaft der Fachärzte, vergleichbar mit dem Hausarztverband, ist nicht vorhanden. Um das schlimmste zu verhüten müssen die Urologen ihr Schicksal selber in die Hand nehmen. Aufgrund fehlender gesetzlicher Möglichkeiten muss der Zutritt zu diesem „closed shop“ der Selbstverwaltung durch eine „rebellische Basis“ erkämpft werden. Die Funktionäre des Berufsverbandes haben auf der Basis einer konsistenten, aktuellen Datenlage sowie ausreichender Kenntnis der entsprechenden Kalkulations- und Morbiditäts-Parameter - den Druck der Basis ausnutzend - die existenziellen Wirtschaftinteressen der Urologen zu wahren, sowohl bei der Neukalkulation der ärztlichen Leistungen als auch in der Kalkulation des „notwendigen Behandlungsbedarfes“. Voraussetzung ist eine Position der Stärke auf gleicher Augenhöhe mit der Möglichkeit der Sanktionierung. Bittsteller und Leisetreter sind auf verlorenem Posten, „eiertanzende“ Mandatsträger eine leichte Beute der wahren Alphatiere. Es werden diejenigen die Nase vorn haben, deren Führung Mut, Charakter und die Fähigkeit besitzt, ihre „Truppe“ mit klaren Strategien hinter sich zu einen. Die Drohung mit und die Organisation des Systemausstiegs ist hier zur Machtbalance unabdingbar. Warnungen mit Hinweise auf das diesbezügliche Urteil des Bundessozialgerichts sollten Bürger eines demokratischen Rechtsstaates nicht schrecken. Das Rückgrad allerdings wird man dafür aus dem Kleiderschrank holen müssen.