BDU-Stellungnahme zum Einsatz von Abirateronacetat beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom ( 11.11.2011)

Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 13. Februar 2012|Aktualisiert am 06. April 2017

BDU-Stellungnahme zum Einsatz von Abirateronacetat beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom

Mit Abirateronacetat (Zytiga®), zugelassen am 17.September 2011 steht ein neues Präparat zur Therapie des kastrationsrefraktären Prostatakarzinoms bei Patienten, deren Erkrankung während und nach einer docetaxelhaltigen Chemotherapie progredient ist, zur Verfügung. Das Mittel liegt in Tablettenform vor.
Durch die Zulassung des Präparates ist eine Kostenübernahmeerklärung durch die Krankenkassen nicht erforderlich. Jeder behandelnde Arzt kann damit das Präparat verordnen. Zytiga® ist indiziert mit Prednison oder Prednisolon zur Behandlung des metastasierten kastrationsresistenten PCA bei Männern, deren Erkrankung während oder nach einer Docetaxel-haltigen Therapie progredient ist.

Beeindruckend sind allerdings die Behandlungskosten:
Der Preis einer defined daily dose (ddd) (für Zytiga® 4x250mg) beträgt 181,50 € zzgl. der Kosten für die obligatorische Prednison-Therapie (10mg tgl.) und ggf. für die Aufrechterhaltung der Hormonablation durch die Gabe eines LhRh Agonisten/Antagonisten. Um Regresse zu vermeiden, ist unbedingt der indikationsgerechte Einsatz zu beachten. Aufgrund dieser erheblichen Behandlungskosten besteht nun im Kollegenkreis eine deutliche Scheu, dieses hochpotente Medikament trotz Einhaltung der Indikation zu verordnen, da Unsicherheit besteht wegen eines drohenden Medikamentenregresses.

Zytiga® wird über den ATC-Code (1) in die Gruppe L02B eingeordnet. Dies ist die Gruppe der Hormon-Antagonisten und entsprechenden Wirkstoffe unter den antineoplastischen und immunmodulierenden Substanzen. Die Tumortherapie mit Fertig-Arzneimitteln dieser Gruppe (und anderer) ist in der Prüfvereinbarung für Westfalen Lippe eine standardisiert zu quantifizierende Praxisbesonderheit. Regress-Gefahr besteht bei der Verordnung somit nicht. (Es wird dringend empfohlen in jeder einzelnen KV die Prüfvereinbarung diesbezüglich zu klären). Dieses Verfahren gilt bis zum Abschluss der so genannten „frühen Nutzenbewertung“ durch den gemeinsamen Bundesausschuss (GBA). Hierzu ist der GBA durch das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) nach § 35a SGB V verpflichtet. Frist für die Veröffentlichung der Entscheidung ist der 02.01.2012. Verbände haben Gelegenheit zu einer schriftlichen Stellungnahme bis zum 23.01.2012. Nach weiteren drei Monaten veröffentlicht der GBA seine Entscheidung. Bei positiver Entscheidung wird der Preis des Präparates neu verhandelt. Gleichzeitig wird der Kreis der Patienten erneut definiert, der von einer Behandlung profitiert. Für diese Patientengruppe gilt die Verordnung dann weiterhin als Praxisbesonderheit.

Zusammenfassend sei betont, dass uns Urologen durch dieses orale Therapeutikum zur Therapie des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms nach Docetaxel-Therapie ein hochpotentes Medikament zur Verfügung steht. Bei vertretbarem Nebenwirkungsspektrum und unter Einhaltung der Indikationen sollte die Verordnung daher durch die Urologen und nicht von anderen Fachgruppen am Ende der onkologischen Versorgungskette erfolgen.

1 Anatomical Therapeutic Chemical/Defined Daily Dose Classification des WHO Collaborating Centre for Drug Statistics Methodology

Dr.med.Christian Tschuschke,BDU-Landesvorsitzender Westfalen-Lippe, Münster

Dr.med. Andreas W.Schneider, Vorsitzender BDU-Arbeitskreis Belegärzte, Winsen/Luhe