BdB e.V. appelliert auf Mitgliederversammlung: Belegarztsystem bei Neuordnung der intersektoralen Versorgung nutzen!

Autor: |Veröffentlicht am 13. November 2017|Aktualisiert am 13. November 2017

Berlin,13.11.2017. Das Belegarztsystem ist eine der ältesten Organisationsstrukturen der stationären Krankenversorgung in Deutschland: patientenfreundlich, effektiv und kostengünstig. Obwohl vergleichbare Versorgungsformen weltweit als Standard in den verschiedenen Gesundheitssystemen etabliert sind, wurde das Belegarztwesen hierzulande zuletzt stiefmütterlich behandelt. Nun haben sich die Vorzeichen geändert: Angesichts der inzwischen politisch gewünschten engeren Verzahnung von ambulanter und stationärer Patientenversorgung steht das Belegarztwesen als funktionierendes Beispiel intersektoraler Versorgung vor einer Renaissance, und der Bundesverband der Belegärzte e. V. (BdB) appellierte auf seiner Mitgliedervollversammlung am 11. November 2017 in Berlin an Politik und Kassen, die Vorteile des Belegarztsystems bei der aktuellen Neuordnung der sektorenübergreifenden Versorgung zu nutzen.

„Angesichts teils dramatischer Engpässe der medizinischen Versorgung besonders im ländlichen Raum appellieren wir dringend an die Gesundheitsexperten der Koalitionssondierungen, die sektorenübergreifenden Belegarztstrukturen endlich wieder wahrzunehmen und nachhaltig zu fördern“, sagte der neue Vorsitzende des BdB, Dr. Andreas W. Schneider (64) in Berlin. Der Urologe aus Winsen (Luhe) war zuvor auf der Mitgliedervollversammlung einstimmig zum Vorsitzenden gewählt worden. Als Stellvertreter war er bereits seit Juli geschäftsführend in dieser Position, nachdem Vorgänger Dr. Klaus Schalkhäuser (77) das Amt nach 15 Jahren aus privaten Gründen niedergelegt hatte.

Den Kreis der Unterstützer des bewährten, schlanken und kostengünstigen Belegarztwesens hatte der BdB bereits im Verlauf des Jahres mit diversen Aktivitäten deutlich erweitern können: Inzwischen gehören der Deutsche Ärztetag, die Bundesärztekammer, der Gemeinsame Bundesausschuss und Standesorganisationen wie der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands zu den Fürsprechern. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bekundet gar, dass sie das Belegarztwesen ausbauen will.

Das belegärztliche Versorgungssystem bietet zahlreiche Vorteile: Für Patienten entfällt der Arztwechsel zwischen ambulanter und stationärer Behandlung und damit auch häufig einhergehende Informationsverluste bei diesen Wechseln. Doppelte Untersuchungen und Befragungen erübrigen sich. Besonders für onkologische Patienten sieht Dr. Schneider in der Verknüpfung von ambulanter Betreuung mit den Vorzügen des stationären Versorgungsanteils durch einen bettenführenden Facharzt eine optimale Lösung: „Die im Rahmen der Onkologievereinbarung und neuerdings der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) beschriebenen Maßnahmen und Voraussetzungen sind von keiner anderen Organisationsform derart umfassend anzubieten wie durch den Belegarzt“, so der BdB-Vorsitzende. Das Belegarztsystem sei nicht nur effektiver, sondern auch kostenseitig günstiger als andere Modelle zur Verzahnung der intersektoralen Patientenversorgung. „Zudem geht es, anders als eine Vielzahl von Honorar-, oder Konsiliararzt-Verträgen, konform mit dem Paragraphen 299 a/b StGB des Antikorruptionsgesetzes“, so Dr. Schneider weiter.

In der Praxis hat das Belegarztsystem in Deutschland jedoch seit 2009 einen massiven Rückgang erlebt: So ist die Zahl von damals 6500 Belegärzten über alle beteiligten Fachgruppen hinweg um gut 20 Prozent auf nunmehr weniger als 5200 gesunken. Hauptursächlich dafür sind mehrere Reformen gewesen, die zu erheblichen Vergütungsverlusten führten und das gängige Belegarztsystem nicht nur wegen der hohen Belastung für den fachärztlichen Nachwuchs eher unattraktiv machten. So wird nicht einmal die 24-Stunden-Rufbereitschaft für die eigenen Patienten in Belegbetten vergütet.

Dr. Schneider hält besonders das kooperative Belegarztwesen, also die gemeinsame Tätigkeit mehrerer Belegärzte derselben Fachrichtung in einer Klinik, für einen probaten Weg, auch in der Fläche eine wohnortnahe Versorgung auf qualitativ hohem Niveau zu erhalten, statt dort bestehende stationäre Strukturen vollständig zu zerschlagen. Voraussetzungen dafür seien jedoch weiterhin rechtssichere Rahmenbedingungen und eine angemessene Vergütung. Mit entsprechenden Maßnahmen könnten Politik und Kassen zur Wiederbelebung des Belegarztwesens beitragen, das als Modell zur gewünschten Überwindung der sektoralen Abgrenzung in der Patientenversorgung beispielgebend sei.

Seinerseits will der BdB die Vorteile der belegärztlichen Versorgung mit messbaren Daten belegen. „Gemeinsam mit der KBV wollen die ganze Leistungsfähigkeit des Belegarztwesens im Rahmen der Versorgungsforschung evaluieren, um das bewährte Versorgungsmodell auf Basis aktueller belastbarer Daten fortzuentwickeln und für gesundheitspolitische Entscheider und Fachärzte maximal attraktiv zu machen“, so Dr. Schneider auf der Mitgliedervollversammlung in Berlin, wo der langjährige BdB-Vorsitzende Dr. Klaus Schalkhäuser (77) in Würdigung seiner großen Verdienste um den Bundesverband der Belegärzte zum Ehrenvorsitzenden gewählt wurde. Der Dorfener Urologe hatte die fachgruppenübergreifende berufspolitische Interessenvertretung von 2002 bis Mitte 2017 geführt.

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