Ärzte müssen wieder mit Freude Arzt sein! Editorial Dr. Axel Schroeder

Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 04. Dezember 2014|Aktualisiert am 06. April 2017

Ärzte müssen wieder mit Freude Arzt sein!

Editorial von Dr. Axel Schroeder in Der Urologe 4/2014

Die ständigen Änderungen der Arbeitsbedingungen machen uns Ärzten zu schaffen – vor den negativen Folgen für Innovation warnt der Berufsverband.

Warum lassen sich Innovationen und neue Versorgungsformen im deutschen Gesundheitswesen nur schwer umsetzen? Und das, obwohl der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Handlungsspielräumen und Vertragsfreiheiten den Nährboden für Innovationen im System bereitet hat. Ärzte in Praxen und Kliniken haben bereits Ihre Kreativität unter Beweis gestellt und Modellprojekte auf den Weg gebracht. Von einem Mangel an Pilotprojekten kann deshalb eigentlich nicht die Rede sein. Das Problem war nie die Innovation selbst. Als zum Beispiel die Rahmenbedingungen für integrierte Versorgung passten, gab es zahlreiche gute Versorgungsmodelle. Nur seit dem Wegfall der Anschubfinanzierung der Verträge nach §§ 140 a ff brachen viele Projekte in der Fläche wieder weg. Der Kontrahierungszwang der Krankenkassen mit Krankenhäusern, die einseitige Öffnung für die Kliniken im alten § 116b und Verträge zur hausärztlichen Versorgung sind kein innovationsfreudiges Klima. Vielmehr erleben wir ein extrem hohes Beharrungsvermögen der Krankenkassen, der Krankenhäuser und von großen Teilen der Vertragsärzteschaft. Liegt es am fehlenden Handlungsdruck oder an der freien Gestaltung? Es liegt an beidem! Sieht man sich die klassische Einzelpraxis an, fällt auf: Das Einzige, was einem Urologen passieren kann, ist, dass es zu viel Nachfrage gibt. Zusätzlicher Aufwand durch neue Versorgungsmodelle sind da wenig attraktiv, schon gar nicht, wenn sie in Form von Dokumentations-und Qualifizierungspflichten kommen. Die Abwehrhaltung kommt nicht von ungefähr, denn schließlich sind die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren nicht besser geworden: Es gibt definitiv zu viel Bürokratie und repressive Instrumente. Permanente Änderungen unserer Arbeitsbedingungen - sei es im Vergütungssystem, sei es in der Dokumentation oder Pflichten in der Kassengebühr, der künftigen E-Card oder in der Terminvergabe - werden verständlicherweise als Bevormundung und als Ärgernis registriert. Und so wird Neues oftmal zunächst abgelehnt. Auf diese Art und Weise, wenn die Ärzteschaft demotiviert ist und sich schlecht behandelt fühlt, kann kein gutes System aufrechterhalten oder weiterentwickelt werden. Dabei dreht es sich weniger um die Höhe der Vergütung als darum, ob Honorierungssysteme fair, verständlich und verlässlich sind: alles, was man von einem System im EBM, im DRG und in der GOÄ gerade nicht sagen kann.

Da bietet der Koalitionsvertrag wenig Perspektiven.

Eine ist davon der Wegfall der Finanzierungsklausel bei Selektivverträgen. Diese Gesetzesänderung zielt in die richtige Richtung , bietet Chance für neue Versorgungsformen außerhalb des Kollektivvertrages. Im 14. SGB-Änderungsgesetz hat man Ende Februar unter anderem den Wirtschaftlichkeitsnachweis für neue Vertragsformen auf vier Jahre heraufgesetzt. Neben der Pflicht zu Hausarztverträgen fordern wir als Berufsverband auch die Pflicht zu Facharztverträgen, zur qualifizierten Versorgung nach § 73 c.

In Anbetracht der demografischen Entwicklung und der begrenzten Ressourcen hat der Berufsverband Konzepte neuer Versorgungsformen konkretisiert, sei es in der prä-/poststationären Versorgung (§ 115a), in der Umsetzung des neuen § 116b, der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung als auch in Selektivverträgen nach § 73c und IV-Verträgen bis hin zur sektor-übergreifenden Versorgung. Wir sind bereit, neue Impulse in der Gesundheitsversorgung, in der urologischen Versorgung, ambulant und stationär zu setzen.

Auf die Vertragspartner kommt es jetzt an! Entscheidend ist die Umsetzung. Hier mag der künftige Innovationsfond richtig ausgestaltet, wichtige Initiative für die Ausbreitung neuer Versorgungsformen sein. Einen besonderen Stellenwert sehen wir in der Förderung der Versorgungsforschung. Welche Erfahrungen machen wir mit interdisziplinärer Zusammenarbeit, auch über die Sektoren hinaus? Dazu setzt der Berufsverband auch auf qualifizierte Weiter- und Fortbildung nicht nur der Ärzte, sondern auch der Assistenzberufe. Unsere medizinischen Fachangestellten wollen mehr Kompetenz und Verantwortung, welche wir unter dem Prinzip der Delegation künftig nutzen müssen. Wir bieten deshalb künftig nicht nur Fortbildungen in der Team-Akademie, sondern ergänzende Konzepte-und Plattformen für die MFA`s durch Fortbildungen und Informationsaustauch an, damit Urologinnen und Urologen samt Mitarbeitern wieder Freude am Beruf haben.

Dr. Axel Schroeder

Präsident