Informationen zum Gendiagnostikgesetz (GenDG) (13.03.2012)

Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 10. Dezember 2012|Aktualisiert am 06. April 2017

Informationen zum Gendiagnostikgesetz (GenDG)

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
 
in den verschiedenen Landesärztekammern gab und gibt es derzeit Bemühungen, für die verschiedenen Facharztgruppen eine Fortbildung zur Erlangung der Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung im Zusammenhang mit genetischen Untersuchungen nach dem Gendiagnostikgesetz (GenDG) anzubieten. Allerdings besteht hierbei derzeit noch Abstimmungsbedarf zwischen den Fachärzten für Humangenetik und den übrigen Facharztgruppen. Insbesondere betroffen sind Gynäkologen und Kinderärzt, aber auch Urologen, insbesondere im Bereich der Andrologie und auch der Kinderurologie.
 
Im folgenden finden Sie die wesentlichen Punkte des seit 1.2.2012 gültigen Gendiagnostikgesetzes zusammengefasst.
Die Richtlinie der Gendiagnostikkomission (GEKO) gemäß dem Gendiagnostikgesetz (GenDG) in der Fasssung vom 11.07.2011
 
• Die Richtlinien für die Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung sind am 01. Februar 2012 in Kraft getreten.
 
• Das GenDG unterscheidet grundsätzlich zwischen diagnostischen und prädiktiven genetischen Untersuchungen:
 
• Diagnostische genetische Untersuchungen können von jeder Ärztin und jedem Arzt nach Aufklärung und schriftlicher Einwilligung vorgenommen werden. (§7 Abs. 1, 1. Alternative GenDG)
 
• Prädiktive genetische Untersuchungen dürfen lediglich von Fachärztinnen und –ärzten für Humangenetik  und von Fachärztinnen und –ärzten mit der entsprechenden Schwerpunkt- oder Zusatzbezeichnung, bzw. der „Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung“ durchgeführt werden. (§7 Abs. 1, 2. Alternative GenDG)
 
• Die „Qualifikation zur fachgebundenen genetische Beratung“ kann wie folgt erlangt werden:
 
1.      In den kommenden 5 Jahren auch ohne Teilnahme an einer sog. Qualifikationsmaßnahme durch eine bestandene Wissenskontrolle. Die Teilnahme an der Wissenskontrolle ist jedem Arzt möglich.
 
1.1.   Nach Ablauf der 5 Jahre ist eine Zulassung zur Prüfung für alle Ärzte ohne Qualifikationsmaßnahme nur möglich, wenn seit mind. 5 Jahre Facharztstatus besteht
 
1.2.   Für den Fall, dass nicht mindestens 5 Jahre Facharztstatus nachgewiesen werden kann, muss an einer Qualifikationsmaßnahme teilgenommen werden
 
2.      Teilnahme an der sog. Qualifikationsmaßnahme
 
2.1.   Diese besteht aus einem theoretischen Teil mit  72 Fortbildungseinheiten der sich  aus insg. 3 Teilen (Basisteil, psychosoziale und ethische Aspekte und fachspezifischer Teil) zusammensetzt, und einem praktisch kommunikativen Teil, welcher 10 praktische Übungen vorsieht
 
2.2.   Eine Lernerfolgskontrolle ist fakultativ
 
2.3.   Die Qualifikationsmaßnahme kann von einer/ einem Fachärztin/Facharzt für Humangenetik oder aber auch von einem Facharzt mit der Zusatzbezeichnung „medizinische Genetik“ geleitet werden
 
2.4.   Teilweise können ärztliche Fortbildungen für die Qualifikationsmaßnahme angerechnet werden. Die Entscheidung hierüber obliegt den  zuständigen Landesärztekammern.
 
Zusätzlich ist festzuhalten, dass ein schriftliches Einverständnis vom Patienten auch für die Weiterleitung der genetischen Befunde an ärztliche Kollegen (zuweisenden Arzt/Hausarzt/weiterbehandelnden Arzt) erforderlich ist, wie z.B. bei der Diagnose eines Klinefelter-Syndroms oder anderer andrologisch, kinderurologisch und urologisch relevanter Krankheitsbilder.
 
 
Ich hoffe, damit etwas Klarheit in die Diskussion zu bringen. Selbstverständlich stehe ich Ihnen für weitere Fragen zur Verfügung. 
 


Prof. Dr. med. Sabine Kliesch

Mitglied des Vorstandes der DGU
(Schriftführerin / Ressort Öffentlichkeitsarbeit)