Kodierrichtlinien - reine Schikane oder sinnvolle Dokumentation? (07.01.2011)

Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 13. Februar 2012|Aktualisiert am 06. April 2017

Kodierrichtlinien - reine Schikane oder sinnvolle Dokumentation?

Nichts sorgt in den letzten Wochen bei den Vertragsärzten für mehr Aufregung und Kontroverse als die Sorge, ein neues bürokratisches “Monster“ in 2011 aufgezwungen zu bekommen: Die ambulanten Kodierrichtlinien (AKR).

Die Konfrontation ist noch nicht vom Tisch.

Bedeuten die AKR wieder mehr Verwaltungsaufwand in der Vertragsarzt-Praxis?
- neue Richtlinien
- neue Software
- neue Prozesse
- mehr Kosten
- mehr Verwaltung
- mehr Belastung

Statt weniger Bürokratie, wieder mehr Verwaltungsaufwand und das in einer Zeit, wo das Arzt-Patientenverhältnis sowieso schon zu kurz kommt. Was schreibt uns der Gesetzgeber vor und was wird ab 2011 Pflicht?

Rechtfertigt der Zweck die Mittel, fragen sich viele von uns!

Grundlage ist die gesetzliche Pflicht zur einheitlichen und differenzierten Kodierung der Behandlung in der GKV.
Nicht nur seit der Einführung des Gesundheitsfonds dient Kodierung u.a. als Instrument zur Verteilung des Geldes unter den Kassen. Auch das regionale Honoraraufkommen richtet sich nach der Morbidität. Die Morbiditätsstruktur der Versicherten einer Kasse ist Basis künftiger Beitragseinnahmen und auch gleichzeitig das Finanzvolumen pro Versicherungsmitglied in der ambulanten Versorgung.
Dort wo medizinische Versorgung stattfindet und die Morbidität abgebildet wird, werden die Versichertengelder in eine morbidiätsorientierte Gesamtvergütung gesteuert.
Das heißt, das Geld soll dem Versorgungsaufwand der medizinischen Leistung folgen.
Insofern ist es in der Tat kein Vertrauensbeweis, wenn der Gesetzgeber und die „halbstaatliche“ KBV für 2011/2012 unser Honorar vorübergehend wieder in Budgets festlegt. Von Planungssicherheit ist schon gar nicht zu sprechen, wenn die morbiditätsgewichtete Gesamtvergütung (MGV) für zwei Jahre einfach ausgesetzt wird.

Trotz dieser Widersprüche müssen wir Vertragsärzte ein Interesse daran haben, die Versorgung, die wir leisten, abzubilden. Versorgungsbedarf und Sicherstellung lässt sich über detaillierte, einheitlich verschlüsselte Diagnosen nachweisen. Dabei geht es nicht nur um die Zuteilung der MGV, sondern auch um die Transparenz des Versorgungsbedarfs im extrabudgetären Bereich.

Die Struktur der Morbidität, das Ausmaß bei
- Kassen
- KVen
- Fachgruppen
- Praxen
dokumentiert das Versorgungsprofil – und den Auftrag, bis hin zu jedem Vertragsarzt. Entsprechend dem Leistungsbedarf wird sich die Ordnung der  Honorarverteilung orientieren.
Wir Urologinnen/Urologen als Fachärzte haben ein elementares Interesse daran, unseren urologischen Versorgungsanspruch/bedarf auch sicherzustellen.
Ganz abgesehen davon, dass die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung 2013 wieder greift - aufsetzend auf das Jahr 2011.
Bei der demografischen Entwicklung und steigenden Morbidität eine conditio sine qua non, um einer leistungsgerechten Vergütung des Vertragsarztes (VA) näher zu kommen.

Die Übergangsphase von sechs Monaten will der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V.  nutzen, um seinen Mitgliedern umfangreiche Informationen und Hilfen zwecks ausreichender Vorbereitung und praxistauglicher Umsetzung der AKR zu bieten.
Unser Ansatz ist es, von Urologen für Urologen, mit dem geringsten Aufwand eine effektive Kodierung in der Tiefe zu erreichen. Für das Fachgebiet Urologie scheint uns der Kodieraufwand nicht vergleichbar mit dem in der hausärztlichen Versorgung. Wir Fachärzte haben eindeutige und behandlungsrelevante Diagnosen und verschlüsseln weniger nach Symptomen.

Auch der BDU e.V. fordert von der KBV praxistaugliche Kodierhilfen: Mit geringem Zeitaufwand aufgrund intelligenter Softwarelösungen, um das Risiko einer fehlerhaften Kodierung zu minimieren. Nur so erwarten wir positive Effekte auf die Versorgung und Steuerung der Geldströme, wie im Dezember-Newsletter des BDU e.V. angekündigt.

Bitte beachten:

Prüfen Sie, ob Sie schon die AKR zum 01. Januar 2011 aktivieren wollen:            "Also das AKR-Update nur dann scharf stellen, wenn Sie es auch wieder deaktivieren können!"
Nutzen Sie die Info-Veranstaltungen des BDU e.V. im 1./2. Quartal: Bis dahin erwarten wir praxistaugliche Kodierhilfen.
Die AKR werden Pflicht für den VA in 2011:
Doch es gilt eine sechsmonatige Übergangsphase, deshalb haben wir noch Zeit.

Dr. med. Axel Schroeder, Neumünster
Präsident des BDU e.V.