SpiFa: Terminservicestellen: politisches Placebo - Nur bessere Steuerung des Patienten verringert Wartezeiten

Autor: Redaktion|Veröffentlicht am 09. Januar 2016|Aktualisiert am 06. April 2017

SpiFa: Terminservicestellen: politisches Placebo - Nur bessere Steuerung des Patienten verringert Wartezeiten

SpiFa- Pressemitteilung

Berlin, 24.02.2015 – „Die Einrichtung von Terminservicestellen ist ein politisches Placebo“, stellt der Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbandes Fachärzte Deutschlands (SpiFa) Lars F. Lindemann fest. „Die jetzt langsam beginnende Diskussion um die richtige Steuerung des Patienten ist der bessere Weg, um gefühlte und echte Probleme bei Wartezeiten auf Facharzttermine zu beseitigen und die Versorgung zu verbessern“, erklärt Lindemann zum derzeit entstehenden Versorgungsstärkungsgesetz.

Das Thema der Wartezeiten auf einen Facharzttermin, so Lindemann, lasse sich jedenfalls nicht über die Einrichtung von Terminservicestellen lösen. „Eine Verlagerung der Terminorganisation aus den Praxen in eine zentrale Vergabestelle ist der sinnlose Aufbau eines neuen Verwaltungsapparates, den die Ärzteschaft aus der ambulanten Vergütung finanziert. Letztendlich wird dieses Geld einer Versorgung entzogen, die doch durch das Gesetzesvorhaben eher gestärkt werden soll“, so Lindemann.

Die Zukunft der Versorgung liege vielmehr in einem sinnvollen Zusammenwirken der Primärversorgung auf haus- und fachärztlicher Ebene, im gezielten Übergang zur spezialisierten fachärztlichen Versorgung und – wo erforderlich und sinnvoll – auch unter Einbindung der Krankenhäuser.

Chance: Vernetzung und E-Health – Risiko: Generalverdacht durch Korruptionsgesetz

Hierbei böte eine bessere Vernetzung und der Ausbau von elektronischer Kommunikation eine gute Gelegenheit: „Das derzeit entstehende E-Health-Gesetz gebe hierzu die Chance, aber der Gesetzgeber bleibt leider weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Dabei müssten dringlich die Schnittstellen zwischen der haus- und fachärztlichen Primärversorgung durch geeignete und sichere elektronische Kommunikationswege überwunden werden. So würde eine gezieltere und zeitnahe Überweisung in den fachärztlichen Bereich erreicht“, betont der SpiFa-Hauptgeschäftsführer. Die elektronische Kommunikation sei die Grundlage für den Ausbau von kooperativen Ansätzen. „Nur im Zusammenwirken von Grundversorgern und Spezialisten in Praxis und Klinik lassen sich der demografische Wandel und der medizinische Fortschritt in eine bessere Versorgung der Patienten umsetzen. Statt diese Ansätze zu fördern, werden Kooperationen im vom Bundesjustizministerium vorgelegten ‚Korruptionsgesetz‘ durch reichlich unspezifische Formulierungen unter Generalverdacht gestellt“, stellt Lindemann fest.

Flatrate-Mentalität stößt an ihre Grenzen

Der eigentliche Kern des Problems müsse jedoch politisch gelöst werden: „Politik und Krankenkassen vermitteln den gesetzlich Versicherten seit Jahren den Eindruck einer Rund-um-die-Uhr-Vollkasko-Versorgung im ambulanten wie stationären Bereich. Dieses unbegrenzte Leistungsversprechen bei eng begrenzten Mitteln ist nicht länger zu halten. Daher erwarte ich von der Politik endlich mehr Ehrlichkeit und eine Diskussion um Steuerungselemente beim Zugang zur Versorgung, beispielsweise um Modelle der Eigenbeteiligung und der Eigenverantwortung des Patienten“, bekräftigt Lindemann.

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Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e. V. (SpiFa) ist ein Dachverband fachärztlicher Berufsverbände. Das Ziel des SpiFa ist die Darstellung der übergeordneten Interessen der Fachärzte sowie deren politische Durchsetzung auf Bundes- und auf Landesebene.

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) setzt sich für die Interessen der niedergelassenen und klinisch tätigen Fachärzte ein. Sein Ziel: Erhalt der wohnortnahen ambulanten Facharztversorgung. Rund 170.000 niedergelassene und klinisch tätige Fachärzte stellen zusammen mit rund 210.000 Arzthelferinnen die fachärztliche Grund- und Spezialversorgung sicher (Wirtschafts- und Arbeitsplatzfaktor). Auf 1.000 Einwohner kommen in Deutschland 0,9 Fachärzte an Kliniken und 0,7 in der Facharztpraxis. Mit 1,6 Fachärzten auf 1.000 Einwohner liegt Deutschland sogar nur im unteren europäischen Mittelfeld. Von einer gedoppelten Versorgung durch Fachärzte kann keine Rede sein.

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Herausgeber (V.i.S.d.P.): Dr. med. Andreas Gassen, Dr. med. Dirk Heinrich, Dr. med. Axel Schroeder
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