Patienteninfo

25.07.2012

Autorin: Karin Janke, aktualisiert und ergänzt Dr. Claudia Krallmann

Was geschieht bei der Beschneidung?

Bei der Beschneidung wird ein beweglicher Hautlappen, der die Eichel des männlichen Gliedes umschließt (Vorhaut), ganz oder teilweise in einem kleinen operativen Eingriff entfernt. Dieser Eingriff kann sowohl in lokaler Betäubung als auch in Vollnarkose durchgeführt werden.

Beschneidung aus medizinischen Gründen

Bei der Entscheidung, ob eine Beschneidung bei Kindern durchgeführt werden soll, spielt das Alter eine entscheidende Rolle. Im frühen Säuglings- und Kindesalter ist die Verklebung der Vorhaut ein Normalbefund (physiologisch). Bis nach Abschluss des ersten Lebensjahres kann die Vorhaut in etwa der Hälfte der Fälle zurückgeschoben werden. Nach dem 3. Lebensjahr steigt diese Rate bis auf 90 %, bei 16- bis 17-jährigen Jugendlichen sogar bis 99 % an.

Medizinische Gründe, die für eine frühzeitig Beschneidung sprechen: 

  • Immer wiederkehrende Entzündungen an der Vorhaut und Eichel (Balanitis).
  • Bildung eines „Ballons“ an der Vorhaut beim Wasserlassen, d.h. die Vorhaut dehnt sich durch den Urin aus, da der Abfluss des Urins versperrt ist.
  • Immer wiederkehrende Entzündungen der ableitenden Harnwege (Urethritis, Cystitis), ggf., wenn keine andere Ursache dafür gefunden werden kann.

Weitere Gründe, die eine Beschneidung erforderlich machen können:

  • Die Vorhaut kann beim versteiften Glied nicht oder nur teilweise zurückgezogen werden.
  • Die Versteifung (Erektion) des Gliedes kann durch die verengte Vorhaut zu Schmerzen führen.
  • Beim Wasserlassen kann der Harnstrahl durch die verengte Vorhaut abgeschwächt oder verdreht sein.
  • Es kann sich beim Wasserlassen ein „Ballon“ an der Vorhaut bilden.
  • Harnverhalt – Es kann überhaupt kein Wasser mehr gelassen werden (sehr selten).
  • Nach dauerndem Zurückstreifen der Vorhaut über die Eichel zeigt sich ein Schnürring (so genannter „Spanischer Kragen“ oder Paraphimose). Die Vorhaut liegt unterhalb der Furche  zwischen Penisschaft und Eichel (Sulcus coronarius) und kann nicht mehr über die Eichel zurückgestreift werden, da eine zunehmende Schwellung der Eichel und der Vorhaut dieses verhindert. Diese Situation ist ein Notfall, der eine umgehende Vorstellung bei einem Urologen oder in einer Urologischen Klinik notwendig macht. Hier wird man versuchen die Vorhaut erneut über die Eichel zu streifen. Eine örtliche Betäubung oder kleiner operativer Eingriff kann dabei helfen.

Ist eine Beschneidung für die Gesundheit von Vorteil?

Einen gewissen Vorteil bietet die nach der Beschneidung einfacher durchzuführende Reinigung des Gliedes. Weitere Gründe, die angegeben werden, sind die Verringerung der Gefahr von Entzündungen der ableitenden Harnwege und von durch Geschlechtsverkehr übertragenen Krankheiten.

Welche Formen der Beschneidung gibt es?

Je nach Befund und Wünschen der Betroffenen kommen folgende Operationsverfahren in Betracht:

  • Beschneidung durch vollständiges Entfernen der Vorhaut. Die komplette Eichel liegt anschließend frei, eine feine Naht ist in Höhe der Furche (Sulcus coronarius) zwischen Eichel und Penisschaft sichtbar. 
  • Unvollständige (plastische) Beschneidung. Hierbei bleibt ein Teil der Vorhaut erhalten und bedeckt teilweise noch die Eichel. Diese OP Methode ist in der Regel im Kindesalter durchführbar, da es hier gelegentlich ausreicht die Vorhaut einschließlich des sichtbaren Schnürrings zu entfernen. Im Erwachsenenalter wird eher eine komplette Beschneidung empfohlen, da eine unvollständige Beschneidung das Risiko birgt, dass es an der Nahtstelle der OP durch Narbenbildung erneut zu einer Engstelle kommt. Es besteht somit das Risiko, das eine weitere OP, diesmal mit vollständiger Entfernung der Vorhaut notwendig ist. Nach einen persönlichen Gespräch mit dm Urologen und einer Untersuchung kann entschieden werden, ob eine plastische Beschneidung möglich bzw. empfehlenswert ist.
  • Erweiterungsplastik. Die Vorhaut wird durch diese operative Technik nicht wesentlich gekürzt, lediglich die Öffnung der Vorhaut wird erweitert. Auch diese Methode wird eher im Kindesalter empfohlen.

Ist die Beschneidung mit Gefahren verbunden?

In der Regel ist eine Beschneidung (Zirkumzision) ein komplikationsarmer Eingriff. Dennoch kann es, wie bei jedem ärztlichen Eingriff, zu unerwarteten Schwierigkeiten kommen. Meistens sind diese Komplikationen leicht und sprechen gut auf eine Behandlung an. Mögliche Komplikationen können sein:

  • Allergische Reaktionen auf z. B. auf das örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhesie), wenn die Beschneidung in örtlicher Betäubung durchgeführt wird.
  • Leichte Schmerzen
  • Blutungen aus dem Narbenbereich, Bildung eines kleinen Blutergusses
  • Schwellungen 
  • Falls die Vorhaut nur teilweise entfernt wurde, kann es durch Schrumpfung des Narbengewebes erneut zur Ausbildung einer Verengung kommen.
  • Selten beschreiben Männer nach einer Beschneidung leichte Gefühlsstörungen im Bereich der Eichel. Diese Veränderungen sind in der Regel vorübergehend. Mittel- und Langfristig sollten keine Veränderungen der Empfindsamkeit der Eichel resultieren. Das anfänglich ungewohnte Gefühl der freiliegenden Eichel lässt nach einigen Tagen nach.

Der Mann kann entscheiden, ob die Beschneidung in örtlicher Betäubung oder aber in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt wird. Bei Operation in Vollnarkose wird der Narkosearzt vor dem Eingriff über die Narkose informieren. Kinder werden in der Regel in einer kurzen Vollnarkose operiert. In der Regel ist die Operation, auch in Vollnarkose, ein ambulanter Eingriff.

Beschneidungsoperationen (Zirkumzisionen) werden in großer Zahl und sehr gutem qualitativen Standard von niedergelassenen Urologen bzw. urologischen Abteilungen in Kliniken durchgeführt.

Häufig gestellte Fragen

Bei Erwachsenen: Welche Untersuchungen werden vor dem Eingriff durchgeführt? Der Urologe wird vor der Operation ein Gespräch mit Ihnen führen, sie untersuchen und Ihnen die Operation in allen Schritten erklären. Alle offenen Fragen lassen sich in diesem Gespräch klären. Ggf. sind vor der Operation Blutuntersuchungen, z.B. ein Blutgerinnungsstatus notwendig. Bei Vorerkrankungen bzw. einer Operation in einer Vollnarkose sind ggf. weitere Untersuchungen (z.B. Elektrokardiogramm (EKG)) notwendig.

Gibt es nach dem Eingriff starke Schmerzen? In der Regel sind die Schmerzen gut erträglich. Bei Bedarf können leichte Schmerzmittel eingenommen werden. Kindern können schmerzstillende Zäpfchen verabreicht werden.

Wie kann die Heilung günstig beeinflusst werden? In der ersten Tagen nach einer Bescheidung sollte sie sich körperlich schonen. Desinfizierende Sitzbäder ab dem ersten Tag nach dem Eingriff mit tanninhaltigen Zusätzen können die Heilung günstig beeinflussen. Bepanthenhaltige Salben können den Heilungsverlauf unterstützen. Ihr Urologe wird Ihnen Tips zur täglichen Wundpflege und Verbandswechsel geben. Auf das Auftreten von Rötungen, zunehmender Schwellung oder Fieber sollte geachtet werden. Bei Unsicherheiten sollten sie sich an Ihren Urologen wenden.

Wann ist nach dem Eingriff Baden/Duschen erlaubt? Am zweiten Tag nach dem Eingriff darf wieder geduscht werden. Baden ist anfänglich nicht erlaubt, weil sich ansonsten die Fäden zu schnell auflösen würden. Ihr Urologe wird Ihnen nach der Operation genaue Verhaltensweisen an die Hand geben.

Wie lange dauert der Heilungsverlauf? In der Regel ist der Heilungsverlauf bei einer vollständigen Beschneidung nach zwei Wochen abgeschlossen. Das Nahtmaterial ist selbstauflösend, dass heißt in der Regel müssen keine Fäden gezogen werden.

Wann ist wieder Geschlechtsverkehr möglich? Bei gutem Heilungsverlauf ist in der Regel nach zwei bis drei Wochen Geschlechtsverkehr wieder möglich. Die Fäden sollten sich vollständig aufgelöst haben und es sollte keine Schwellung mehr bestehen. Zu Beginn ist Vorsicht anzuraten.

Verändert eine Beschneidung die Erektionsfähigkeit? Die Beschneidung der Vorhaut hat keinen Einfluss, weder positiv noch negativ, auf die Erektionsstärke.

Hat die Beschneidung Auswirkungen auf das Liebesleben? Manche Männer berichten über verstärkte Höhepunkte beim Geschlechtsverkehr (Orgasmen). Auch vermehrte Ausdauer beim Geschlechtsverkehr wird angegeben.

In welchem Alter sollten Kinder beschnitten werden? Es gibt viele Meinungen zu der Frage, wann der opimale Zeitpunkt für eine Beschneidung ist. Bei einer medizinischen Indikation (häufige Entzündungen, Beschwerden beim Wasserlassen etc.) sollte eher eine zeitnahe Operation angestrebt werden. Grundsätzlich ist eine Beschneidung eher im jüngeren Alter anzustreben. Im jugendlichem Alter, wenn die Sexualität entdeckt wird und eine Vorhautenge Probleme bei der Erektion, Masturbation etc. macht, kann eine erst dann durchgeführte Beschneidung die psychische Verarbeitung der OP erschweren. Insgesamt sollten Sie mit dem Urologen die individuelle Situation besprechen und einen Operationszeitpunkt festlegen.

Können Vorhautverengungen auch im Erwachsenenalter noch auftreten? Auch erwachsene Männer können von der Entstehung einer Phimose betroffen sein. So sind z.B. Diabetiker häufig von Vorhautentzündungen (Balanitiden) betroffen. Nachfolgend kommt es zu kleinen Einrissen der Vorhaut, die unter Narbenbildung abheilen und auf Dauer die Vorhautverengung entstehen lassen. In diesen Fällen ist eine komplette Beschneidung sinnvoll.

Gibt es andere Methoden – außer einer Operation – um eine Vorhautverengung zu behandeln? Bei Kindern können, je nach Befund,  Therapieversuche mit einer cortisonhaltigen Creme sinnvoll sein. Bei Erwachsenen sind diese Anwendungen eher nicht erfolgsversprechend. Gelegentlich können diese Präparate helfen eine chronische oder akute Balanitis (Entzündung der Vorhaut / Eichel) zu behandeln, jedoch nicht die Vorhautenge zu beseitigen.

Wer bezahlt die Kosten für die Beschneidung? Eine medizinisch begründete Beschneidung wird von der Krankenkasse übernommen. Eine kosmetische oder religiöse Beschneidung ist keine Kassenleistung und muss nach der GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) bezahlt werden, d. h. die Kosten sind nicht frei verhandelbar, sondern festgelegt und richten sich nach der zutreffenden Gebührenordnung. Je nach Umfang der Leistungen neben der eigentlichen OP sind die tatsächlichen Kosten unterschiedlich. Eine Zirkumzision kann in örtlicher Anästhesie, aber auch in einer Vollnarkose durchgeführt werden, stationär oder ambulant. Die genauen Kosten sollten Sie vor der Operation bei Ihrem Urologen erfragen.

Wie finde ich einen guten Operateur? Beschneidungsoperationen (Zirkumzisionen) werden in großer Zahl und mit einem sehr guten qualitativen Standard von niedergelassenen Urologen bzw. urologischen Abteilungen in Kliniken durchgeführt.

Sollten Sie weitere Fragen haben, schicken Sie bitte eine eMail an patienten(at)urologenportal.de