Berufsverband

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21.05.2007

Prostatakarzinom-Zentrumsbildung

An alle urologischen Chefärzte,
Klinikdirektoren und Ordinarien

Die Diskussion um die Zentrumsbildung stellt sich mir derzeit aufgrund polarisierend vertretener Standpunkte äußerst aufgeregt dar. Unsicherheit, Unmut, ja Angst sind die Folgen. Als Mandatsträger will ich mit meinem folgenden Sachstandbericht zur Klärung beitragen, meine Bewertung der Vorgänge geben und eine Empfehlung aussprechen.

Sachlage

Politisch wird eine Zentrumsbildung für die Brust gefordert, für Darm und Prostata gewünscht. Zertifizierung fördert die Verbesserung der Versorgungsqualität durch Veränderungen in den Strukturen, der Denkweise, dem interdisziplinären Arbeiten und dem selbstauferlegten Anspruch.

OnkoZert, das Zertifizierungsinstitut der Deutschen Krebsgesellschaft, zertifiziert das Prostatakarzinom-Zentrum und verleiht ein von den Kostenträgern (Krankenkassen) anerkanntes „Gütesiegel“. Der OnkoZert-Kriterienkatalog wurde analog zu dem des Brustzentrums erstellt und von der Zertifizierungskommission der DKG unter Leitung von Herrn Prof. Albers überarbeitet, der gemeinsam mit Prof. Jakse aus dem DGU-Vorstand und Herrn Dr. Bloch als Präsident des BDU zusammen mit anderen Urologen sachorientiert urologische Expertise eingebracht hat.

Mitte März fand ein 1. Lehrgang bei OnkoZert in Ulm statt, bei dem 18 Fachexperten für Prostatakarzinom-Zentren (5 Ordinarien, 5 Chefärzte, 5 Oberärzte und 3 Strahlentherapeuten) geschult und einer schriftlichen Prüfung unterzogen wurden. Dieser Termin wurde vorher nicht in den gemeinsamen Standesgremien kommuniziert. Ich selbst wurde hierüber von der QM-Leiterin unseres Krankenhauses unterrichtet. Ein 2. Lehrgang ist geplant und soll überwiegend Strahlentherapeuten schulen. Die Fachexperten sollen nach erfolgreicher Absolvierung eines Hospitationsverfahrens später als Auditoren mitentscheiden, welche Kliniken als Prostatakarzinom-Zentrum von OnkoZert anerkannt werden.

Der Kriterienkatalog ist inhaltlich für die meisten urologischen Kliniken erfüllbar (z.B. 50 radikale Prostatektomien/Jahr, 100 Primärfälle/Jahr) und fordert als gleichberechtigten Partner zum Urologen einen Strahlentherapeuten. Niedergelassene Urologen sind gleichberechtigte Leistungserbringer. Kooperationen mit allen Partnern (z.B. Strahlentherapie) sind in einem Umkreis von 40 km möglich.

Voraussetzungen für ein Zentrum sind der Nachweis eines QM-Systems nach ISO 9001 oder KTQ, eine leitlinienorientierte Diagnostik und Therapie (EAU/AUA) und die Erfüllung der Anforderungen im Erhebungsbogen. Dieser Kriterienkatalog wird in den nächsten Wochen von OnkoZert publiziert.

Bewertung

Ein Zertifizierungsverfahren durch OnkoZert stellt eine finanzielle (ca. 14.000 Euro Kosten) und logistische Herausforderung dar. Anhand des bald publizierten Kriterienkataloges kann jeder Klinikchef prüfen, ob er die Voraussetzungen erfüllt und ein Zertifizierungsverfahren anstreben möchte.

Selbsternannte Zentren werden von den Kostenträgern nicht anerkannt. Bei zu erwartendem politischem Druck kann ein von der DKG anerkanntes Prostatakarzinom-Zentrum sinnvoll sein.

Mit dem Dachverband der Deutschen Prostatazentren werden vom BDU-Präsidium ergebnisoffene Gespräche geführt.

Diese Thematik wird ausführlich bei der nächsten Seminarveranstaltung der ltd. Krankenhausärzte in Freiburg (6.-9.6.2007) erörtert werden. Ich lade Sie deshalb herzlich zur Teilnahme und Diskussion ein.

Joachim Steffens